Hebel 3 / Möglichst viele Kriege beenden + Eine möglichst Waffen freie Gesellschaft anstreben

»Weltweit 20 Kriege und 385 Konflikte hat das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung im Jahr 2017 gezählt.«19a

»Nach der Studie (Stand 2012) verlieren auf der Welt jährlich fast eine halbe Million Menschen (437.000) durch vorsätzliche Tötung ihr Leben. Die weltweite Tötungsrate beträgt 6,2 pro 100.000 Einwohner. Von den Todesfällen entfallen 36 % auf Nord-, Mittel- und Südamerika (Rate 16,3), 31 % auf Afrika (Rate 12,5), 28 % auf Asien (Rate 2,9) und 5 % auf Europa (Rate 3,0) sowie 0,3 % auf Ozeanien (Rate 3,0).«19b

»Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg. Warum sollte auch irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt? Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. (…) Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.«19c

»Es existiert ein breiter Konsens in der christlichen europäischen Zivilbevölkerung, dass wir keinen Krieg, keinen Terror und keine Gewalt auf unseren Straßen und in unseren Schulen wünschen. Denselben Wunsch haben auch die Muslime und die Juden. Es ist jeweils nur eine Minderheit von Fanatikern, die Spaltung predigen und Gewalt schüren … Trotzdem ist es eine Utopie zu erwarten, dass die zwei Milliarden Christen, die 1,5 Milliarden Muslime und die 15 Millionen Juden ihre Gewalt gegeneinander und untereinander in Gedanke, Wort und Tat völlig einstellen werden, weil sich noch zu wenige Menschen dafür einsetzen. Viel einfacher ist es doch, Feindbilder zu pflegen. Denn das Ziel der Kriegspropaganda besteht immer darin, zwei Gruppen zu schaffen, und danach bei der einen die Erinnerung auszulöschen, dass die andere Gruppe auch aus Menschen besteht.«19d

TAT – Teilen, Abwerten, Töten

»Ich versuche in meiner Forschung zu zeigen, dass das Morden immer gleich verläuft: Teilen, Abwerten, Töten, kurz TAT, es ist immer diese Abfolge. Teilen heißt zwei Gruppen schaffen: Arier und Juden oder Kapitalisten und Kommunisten. Danach kommt das Abwerten, die eine Gruppe bezeichnet die andere Gruppe als Unmenschen, Barbaren oder Tiere. Erst danach kommt das Töten. Ich setze mich als Friedensforscher gegen das Teilen ein, indem ich Kriegspropaganda dekodiere und die Feindbilder rekonstruiere. Ich setze mich gegen das Abwerten ein, indem ich Achtsamkeit für das Fremde, für das Andere kultiviere. Ich setze mich gegen das Töten ein, indem ich die Empathie fördere und sage: Alles Leben ist heilig.«19e

»Die Geschehnisse in der Welt lassen sich scheinbar nur wenig beeinflussen, noch dazu, wenn eine Machtelite, die nur 1% der Gesamtbevölkerung der Welt ausmacht, die Geschicke der anderen 99% lenkt. Wie könnte man verhindern, dass einer kleinen Elite die Manipulation so gut gelingt? Vielleicht ist es möglich, wenn sich die anderen 99% der Gesamtbevölkerung der Welt darüber klar würden, dass sie tagtäglich in ihrem Innern den Einstieg in die Gewaltspirale ebenso ablaufen lassen wie ›die da oben‹.«19f

VAV – Verbinden, Aufwerten, Verwandeln

»»Dem Bösen genügt es zum Erfolg, wenn das Gute nicht handelt.« Der Umstand sich in Kriegs- oder Friedenszeiten zu befinden ist ein Ergebnis eines vorweggehenden Gedanken-Prozesses, an dem der Mensch aktiv schaffend oder passiv zulassend beteiligt war oder ist. Es ist also der Mensch selbst, der den Manipulationsmechanismen von TAT entgegenwirken kann, indem er VAV anstrebt. In allen Begegnungen, im kleinen Tagesgeschehen wie im großen Weltengeschehen können wir unsere Wahrnehmung im Bewusstsein schärfen wie trennende oder verbindende, abwertende oder aufwertende, tötende oder verwandelnde Kräfte entstehen und wirken. VAV beginnt wohl auch mit der Einsicht, dass die Probleme der Gegenwart und der Zukunft nicht mit einem Denken von Gestern gelöst werden können, welches ja die Probleme hervorgebracht hat. Der Mensch muss sich mit seinem Ich in tragfähigen, zukunftsweisenden und inspirierenden Gedanken gründen lernen. VAV benötigt freie Gedanken, damit ein freier Begegnungsraum entstehen kann. Dies kann in eine günstige Entwicklung geführt werden, wenn der Soziale Prozess eine gegenseitige Willensbekundung erlaubt und von einer soliden gegenseitigen Begriffsklärung begleitet wird. Diese vorbereitenden Schritte können dann eine gegenseitige Förderung von hohen Idealen einleiten.«19g

Kriege und Waffengewalt systemisch ausbluten

Der erste wesentliche Schritt sollte sein, dass man global versucht, Kriege jeglicher Art möglichst global in allen Staaten zu beenden bzw. bestmöglich einzudämmen und nach und nach die Zivilbevölkerung in allen Staaten weltweit entwaffnet. Ein bestmöglicher globaler Neuanfang kann nur dann stattfinden, wenn die Menschen bereit sind ihre Waffen niederzulegen und das Vertrauen haben, dass sich nun tatsächlich etwas zum Positiven hin verändern wird.

Kriegen global möglichst konstruktiv begegnen:

1) Friedenstruppen der UNO oder NATO: Wenn in einzelnen Staaten Krieg herrscht, muss die UNO das von außen beobachten und im Notfall, wenn z.B. die Zivilbevölkerung durch ein Regime abgeschlachtet wird und innerstaatlich keine Gegenmaßnahmen vollzogen werden, schützend eingreifen. Man muss fanatischen Strukturen den Kampf ansagen und Menschen vor solchem Wahnsinn schützen. Wesentlich ist auch, dass man die Zivilbevölkerung aus diesen Gebieten evakuiert, Maßnahmen für Flüchtlinge im internationalen Kontext entwickelt und vor allem Hilfe vor Ort anbietet. Ob etwa mit UNO-Blauhelmen oder mit der NATO eingegriffen wird, sollte man immer von Fall zu Fall individuell beurteilen. Wesentlich ist, dass man die Zivilbevölkerung langfristig vor Kriegen schützt, bei Eskalation evakuiert, in Flüchtlingslagern erstversorgt und dann nach einer globalen Quote global aufteilt. Nähere Details später: »Hebel 4 / Vernünftige globale Asylpolitik + Resettlementprogramme«

2) Waffenexport möglichst beschränken:

»Weltgrößter Waffenexporteur bleiben die USA mit einem Marktanteil von 34 Prozent. Die Vereinigten Staaten steigerten ihren Export im Vergleichszeitraum um ein Viertel und verkauften Rüstungsgüter an 98 Staaten.

Die USA nutzen Waffenhandel nach Ansicht der Friedensforscher als außenpolitisches Instrument, um strategische Partnerschaften zu schmieden. Rund jede zweite US-Waffe ging in den Nahen Osten.

Durch die Verträge, die unter Ex-Präsident Barack Obama geschlossen wurden, hätten die USA den höchsten Waffenexport-Stand seit den späten 1990er-Jahren erreicht, sagte Sipri-Expertin Aude Fleurant.« Diese Deals und weitere im Jahr 2017 unterschriebene Verträge werden dafür sorgen, dass die USA in den kommenden Jahren der größte Waffenexporteur bleiben.

Aufrüstung wegen Russland

Das zweitgrößte Exportland, Russland, verkaufte 7,1 Prozent weniger Waffen. Deutschland, der weltweit viertgrößte Rüstungsexporteur, fuhr seine Verkäufe um 14 Prozent zurück. In den Nahen Osten aber verkaufte Deutschland laut Sipri trotz heftiger politischer Debatten doppelt so viele Waffen wie im Vergleichszeitraum.

Die größten fünf Exporteure, zu denen auch Frankreich und China gehören, waren zwischen 2013 und 2017 für 74 Prozent aller Waffenausfuhren zuständig. Die Importe der europäischen Staaten sanken um 22 Prozent. Nach Ansicht der Friedensforscher werden sie in den kommenden Jahren durch zunehmende Spannungen mit Russland aber wieder steigen.«19h

Bild Quelle: https://cdn.handelszeitung.ch/sites/default/files/hz-files/files/imce/20170110_waffen.jpeg

Der erste wesentliche Schritt der UNO sollte eine globale Vereinbarung sein, dass Waffenexporte für alle Staaten auf ein Minimum reduziert werden und langfristig nur für den eigenen innerstaatlichen Gebrauch primär Waffen produziert werden dürfen. Vor allem in Kriegsgebiete sollte man ganz klar den Waffenexport massiv begrenzen.

Man darf hier natürlich nicht naiv sein und glauben, dass es jemals eine Gesellschaft geben wird, die komplett ohne Waffen auskommt. Denn solange es Menschen gibt, die andere bedrohen, Terrorismus betreiben, Kriege führen, solange muss man allen Staaten die Grundausrüstung zur Verfügung stellen, sich gegen solche Menschen zu wehren und ihre Zivilbevölkerung schützen zu können. Aber man sollte hier so vorgehen, dass man Waffen weltweit möglichst auf den staatlichen Bereich begrenzt, vor allem auf Streit- und Sicherheitskräfte, die entsprechend verantwortungsbewusst damit umgehen und sich möglichst nur im Notfall gegen Angreifer bzw. Mitmenschen, die angegriffen werden, schützen.

In Staaten hat das im Falle eines Krieges logischerweise die Konsequenz, dass der Waffennachschub nur für begrenzte Zeit aufrechterhalten werden kann und man Kriege systemisch materiell ausblutet. Auch Stellvertreterkriege wie z.B. durch Amerika oder Russland sollten so auf lange Sicht der Vergangenheit angehören. Dann können Menschen zwar immer noch mit dem Messer ihr Gegenüber töten, was die ganze Sache aber um einiges unappetitlicher und zu einem weit persönlicheren Akt macht, als aus der Ferne zu töten, und man kann bei weitem nicht so viele Leute in kürzester Zeit abschlachten.

3) Waffengesetze für den privaten Gebrauch weltweit verschärfen: Die Gesetze bezüglich Waffen für den privaten Gebrauch sollte man global massiv verschärfen, so dass es enorm schwierig für die Zivilbevölkerung wird, Waffen besitzen zu können und nicht weiterhin so viel Unheil angerichtet wird.

Wo Menschen getötet werden, ist die Grenze erreicht, wo die freie Marktwirtschaft keine Berechtigung mehr hat zu existieren und wo Staaten global strenge allgemeingültige Gesetze beschließen müssen, die es verhindern, dass weiterhin so viele Menschen durch Waffen sterben. Betrachtet man z.B. die privaten Tragödien in Amerika, die durch Waffengewalt jedes Jahr stattfinden, ist es höchste Zeit, dass man die Waffenlobby in die Schranken weist und global verschärfte Gesetze formuliert, die den Souverän schützen.

Beispiel – Vereinigte Staaten:

»2016 starben in den Vereinigten Staaten 37.000 Menschen durch Schusswaffen, wenn man die Suizide mitzählt. Und das muss man, denn eine Waffe im Haus erhöht das Risiko, dass sich jemand selbst tötet, um das bis zu [F]ünffache. 30 Prozent der erwachsenen US-Bürger besitzen persönlich eine Waffe, 42 Prozent leben in einem Haushalt, in dem es eine gibt.
 
Im Schnitt einmal pro Woche wird ein US-Amerikaner von einem Kleinkind angeschossen oder erschossen.

Und fast jedes Mal, wenn wieder jemand besonders viele auf einmal umbringt, steigen die Aktien der Waffenhersteller.«19i

Beispiel – Brasilien:

»Das neue Jahr begann in Brasiliens nordöstlichem Bundesstaat Rio Grande do Norte so, wie das alte geendet hat: mit Gewaltexzessen und steigenden Mordraten. Seit Mitte Dezember streikt die Polizei wegen ausbleibender Lohnzahlungen. Chaos auf den Straßen, geplünderte Geschäfte und ein Hochschnellen der Gewalt sind die Folge. Die Mordrate stieg in den letzten beiden Dezemberwochen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 51 Prozent: Mehr als 100 Menschen wurden umgebracht. Die Regionalregierung musste den Ausnahmezustand ausrufen und das Militär zu Hilfe holen. Jetzt patrouillieren zwar schwer bewaffnete Soldaten durch die Hauptstadt Natal, doch Sicherheit herrscht keine. Die einst bei Touristen beliebte Metropole ist zur gefährlichsten Stadt Brasiliens geworden.

Die Stimmung ist im ganzen Land explosiv. Seit einigen Jahren steigen die Mordraten kontinuierlich an. Mehr als 61.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr umgebracht, so eine Schätzung des auf öffentliche Sicherheit spezialisierten Forschungsinstitutes Fórum Brasileiro de Segurança Pública (FBSP). Damit stellt das Land einen neuen Negativrekord auf. Rein rechnerisch werden sieben Menschen pro Stunde umgebracht. Brasilien repräsentiere 2,8 Prozent der Weltbevölkerung, gleichzeitig geschehen hier aber 13 Prozent aller Morde, erklärt der Präsident des FBSP, Renato érgio de Lima.«19j

Eines ist klar: Wenn man zulässt, wie z.B. in Amerika oder Brasilien, dass man an jeder Ecke eine Waffe kaufen kann, befördert man damit Tragödien enorm. Wesentlich ist, ein Mensch erlebt in einem Leben eine Vielzahl an Gefühlszuständen, wie z.B. Liebe, Freude etc., aber natürlich auch negative Gefühle, wie z.B. Hass, Rachegelüste, Liebeskummer, psychische Krankheit etc. Wenn man nun schlecht drauf ist und eine Waffe zuhause hat, wird es natürlich immer Menschen geben, die dann ihre Emotionen gegen sich selbst oder ihre Mitmenschen richten.

An diesem Punkt ist der Spaß vorbei und alle Politiker, die bis heute diese Waffengesetze gestaltet oder gebilligt haben, sollten sich in Grund und Boden schämen, da sie ihre Bürger bewusst einer Gefahr aussetzen und sie wissen müssten: Wenn ich die Option des leichten Waffenbesitzes so stehen lasse, muss ich jeden Tag Menschenopfer mitverantworten, da ich keine Gesetze geschaffen habe, die die Bürger bestmöglich in ihrem Zusammenleben schützen.

4) Rüstungspolitik weltweit in allen Staaten zurückfahren – 150 Milliarden weltweit pro Jahr einsparen:

»1572 Mrd. Euro betragen die jährlichen Rüstungsausgaben, steigende Tendenz. Gemessen am weltweiten Bruttosozialprodukt (BIP) betrugen die Rüstungsausgaben weltweit 2,2 Prozent.«19k

Quelle: http://orf.at/stories/2390714/2390740/

Das wesentliche Ziel sollte sein, dass weltweit Atomwaffen und die Rüstungsausgaben der einzelnen Staaten reduziert werden, da man mit diesen Geldern weit nützlichere Dinge finanzieren könnte. Da sich aber Staaten weltweit gegenseitig misstrauen, vor allem die Big Player, wird man Sie nur schwer dazu bewegen können. Ein konstruktiver Vorschlag wäre, dass man über die UNO sich darauf einigt, dass jeder Staat 10 % seiner Rüstungsausgaben reduziert und das auch kontrolliert wird, damit sich jeder daran hält. Wesentlich ist: Sollten sich nicht alle daran halten, hätte keiner der Akteure dadurch einen wesentlichen Vorteil und man wäre im Verteidigungswesen weiterhin bestens handlungsfähig. So würde man global 150 Milliarden einsparen und könnte das Geld z.B. für die Entwicklungsländer zusätzlich verwenden oder für wichtige Projekte im eigenen Staat.

5) Frieden im jeweiligen Staat gesamtheitlich systemisch befördern:

– »Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit

– Demokratie und egalitäre politische Partizipation

– Rechtsstaatlichkeit

– Garantie menschlicher und sozialer Sicherheit

– Verwirklichung des gesellschaftlich Möglichen […]

Friedensbedingungen:

– Mikro / Individuelle Bedingungen: Friedfertiges, gewaltfreies Austragen von

Konflikten

– Meso / Gesellschaftliche Bedingungen: Gesellschaftliche Zivilisierung und

Demokratisierung

– Makro / Systemische Bedingungen: Transformation des internationalen

Sytems, Verrechtlichung, Stärkung internationaler Organisationen, Anglei-

chung der Lebensbedingungen, egalitäre Staatlichkeit im internationalen Kon-

text«19l

Zivilisatorisches Hexagon:

»Der Friedensforscher Dieter Senghaas versteht Frieden als einen Zivilisierungsprozess. Ziel dieser Entwicklung ist das friedliche Zusammenleben von Staaten durch konstruktive, also aufbauende, Konfliktbearbeitung. Es herrscht dann Frieden, wenn bestimmte, sich gegenseitig stützende[.] Bedingungen vorhanden sind.

Die Elemente des zivilisatorischen Hexagons bedingen sich gegenseitig. Die zivilisierte, nachhaltig gewaltfreie Bearbeitung von unvermeidlichen Konflikten setzt sechs Bedingungen voraus, die in der folgenden Graphik dargestellt werden:

Quelle: https://buergerdiplomaten.wordpress.com/2014/07/02/frieden-als-zivilisierungsprozess-das-zivilisatorische-hexagon/

1.) Entprivatisierung von Gewalt (Gewaltmonopol): Die Herausbildung eines legitimen staatlichen Gewaltmonopols ist für den Zivilisierungsprozess im Sinne Senghaas unerlässlich. Gewalt darf – außer in Fällen von Notwehr und Nothilfe – ausschließlich von den dafür zuständigen staatlichen Organen ausgeübt werden. Die BürgerInnen sollen zur Verhinderung eines Wiederausbruchs von Gewalt entwaffnet werden.

»Wesentlich für jeden Zivilisierungsprozess ist die Entprivatisierung der Gewalt bzw. die Herausbildung eines legitimen, in aller Regel staatlichen Gewaltmonopols, dem die einzelnen untergeordnet sind (»Entwaffnung der Bürger«). Wo das Gewaltmonopol zusammenbricht, also die Wiederaufrüstung und Wiederbewaffnung der einzelnen Bürger eine Chance bekommen, kann es zu einer »Renaissance von Bürgerkriegssituationen‹ kommen.«

2.) Herausbildung von Rechtsstaatlichkeit: Jede/r BürgerIn hat das Recht, die Institutionen des Rechtsstaates für die legitime Durchsetzung eigener Interessen und die Lösung von Konflikten zu nutzen. Institutionalisierte Formen des Konfliktmanagements bilden sich heraus.

»Ein Gewaltmonopol, das nicht durch Rechtsstaatlichkeit eingehegt wird, wäre im Grenzfall nichts mehr als eine beschönigende Umschreibung von Diktatur … Soll demgegenüber das Gewaltmonopol als legitim akzeptiert werden, bedarf es der Institutionalisierung rechtsstaatlicher Prinzipien und öffentlicher demokratischer Kontrolle, auf deren Grundlage sich Konflikte in einem institutionellen Rahmen fair austragen lassen.«

3.) Interdependenzen: Alle Mitglieder einer Gemeinschaft stehen in gegenseitiger Abhängigkeit zueinander. Nachhaltiger Friede ist nur möglich durch die Anerkennung von Unterschieden bei gleichzeitigem Gewaltverzicht. Der Einzelne lernt, seine Affekte zu kontrollieren und auf Gewalt zu verzichten.

»Die Entprivatisierung von Gewalt und die Sozialisation in eine Fülle von institutionalisierten Konfliktregelungen implizieren eine Kontrolle von Affekten. Solche Selbstkontrolle wird maßgeblich durch die Herausbildung von großflächig angelegten Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten unterstützt … Affektkontrolle ist Grundlage nicht nur von Aggressionshemmung und Gewaltverzicht, sondern darauf aufbauend von Toleranz und Kompromissfähigkeit.«

4.) Demokratische Partizipation:Demokratisierung bedeutet die gleichberechtigte Einbeziehung möglichst aller Beteiligten in Prozesse der Entscheidungsfindung.

»In aller Regel werden in fortgeschrittenen sozial mobilen Gesellschaften Unterordnungsverhältnisse aufgrund von Geschlecht, Rasse, Klasse oder anderen Merkmalen von den Betroffenen nicht mehr hingenommen. In demokratisierten Rechtsstaaten mit einem hohen Politisierungspotential untergräbt solche Diskriminierung die politische Stabilität.«

5.) Soziale Gerechtigkeit: Die Gesellschaft schützt ihre Mitglieder ausnahmslos vor Armut und Diskriminierung jeglicher Art und beschäftigt sich mit Fragen der Gerechtigkeit.

»In Gesellschaften mit einem erheblichen Politisierungspotential ist eine aktive Politik der Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit, letztlich ergänzt um Maßnahmen der Bedürfnisgerechtigkeit (Sicherung der Grundbedürfnisse), unerlässlich, weil nur dann sich die Mehrzahl der Menschen in einem solchen politischen Rahmen fair behandelt fühlt.«

6.) Konfliktkultur: Die Mitglieder einer Gesellschaft sind fähig, Konflikte produktiv und kompromissorientiert auszutragen.

»Gibt es in einer aufgegliederten, aber deshalb auch zerklüfteten Gesellschaft faire Chancen für die Artikulation und den Ausgleich von unterschiedlichen Interessen, kann unterstellt werden, dass ein solches Arrangement verlässlich verinnerlicht wird, eine Bereitschaft zur produktiven Auseinandersetzung mit Konflikten vorliegt und kompromissorientierte Konfliktfähigkeit einschließlich der hierfür erforderlichen Toleranz zu einer selbstverständlichen Orientierung politischen Handelns wird.«

Das Zivilisierungsprojekt von Senghaas strebt nach einer gerechten Ordnung. Ein so verstandener Friede ist kein gegebener Naturzustand, sondern ein Prozess, der immer wieder neu gestaltet, überprüft und auf den Idealzustand ausgerichtet werden muss. […]«19m

Quelle: https://buergerdiplomaten.wordpress.com/2014/07/02/frieden-als-zivilisierungsprozess-das-zivilisatorische-hexagon/

Abschließend: Mittels eines starken UNO-Militärs sollte man bei Krieg die Zivilbevölkerung bestmöglich schützen und aus Krisenherden evakuieren. Der nächste wesentliche Schritt ist die nachhaltige systematische Entwaffnung der Kriegstreiber und Zivilbevölkerung, durch strenge Exportbestimmung von Waffen und sehr strenge Waffengesetzverbote, die es der Zivilgesellschaft möglichst schwer machen, eine Waffe zu erwerben und legal zu besitzen. Systemisch sollte man nach dem »Zivilisatorischen Hexagon« vorgehen, um langfristig friedliche Strukturen in den jeweiligen Staaten herzustellen.

Quellenangaben:

19a http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/konfliktbarometer-2017-zahl-der-kriege-weltweit-gestiegen-15471806.html

19b https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tungsrate_nach_L%C3%A4ndern

19c http://www.orbit9.de/wissen/goering-krieg

19d https://www.danieleganser.ch/1335.html

19e https://www.danieleganser.ch/1335.html

19f http://www.free21.org/der-alltaegliche-krieg-in-unseren-koepfen/

19g https://quer-denken.tv/krieg-und-frieden-tat-trennen-abwerten-toeten-oder-vav-verbinden-aufwerten-verwandeln/

19h https://www.bluewin.ch/de/news/international/mehr-waffenexporte-in-den-nahen-osten-74296.html

19i http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/waffen-in-den-usa-zehntausende-us-buerger-sterben-jedes-jahr-a-1171544.html

19j https://derstandard.at/2000071873202/Sieben-Morde-pro-Stunde-Brasiliens-eskalierende-Gewalt

19k https://www.uni-marburg.de/konfliktforschung/studium/studierendeninfos/Krieg_und_Frieden0809.pdf

19l http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/sipri-ruestungsausgaben-2016-anstieg

19m https://buergerdiplomaten.wordpress.com/2014/07/02/frieden-als-zivilisierungsprozess-das-zivilisatorische-hexagon/