Hebel 11 / Neues Geldsystem – Vollgeld Reform

»Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.« (Henry Ford)

»Umfragen zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger den Staat als Hüter der Geldmenge sehen möchten. Dieser Wille entspricht auch dem öffentlichen Charakter des Geldes als Medium. Nur der Souverän kann für die Stabilität dieses Mediums verantwortlich sein.

Die Notenbank erhält das ausschließliche Recht der Geldschöpfung, sowohl für das Bargeld als auch für das Buchgeld. Alles im Umlauf befindliche Geld ist Zentralbankgeld, das diese gezielt nach vorgegebenen Regeln geschöpft hat. Den Geschäftsbanken wird das Recht auf Geldschöpfung, das ihnen nie explizit verliehen wurde, explizit entzogen.1

»Das grundlegende Ziel einer Vollgeldreform besteht darin, eine staatliche Kontrolle über die Geldschöpfung und Geldmenge zurück zu erlangen. Dies würde idealerweise durch eine Stichtagreform geschehen, bei der das Bankengeld (Giralgeld) über Nacht durch Zentralbankgeld (Vollgeld) ersetzt wird. Man kann sich jedoch auch eine graduelle Reform vorstellen, bei der unbares Zentralbankgeld parallel zu Giralgeld nach und nach in den öffentlichen Umlauf kommt und der Anteil des Giralgeldes mit der Zeit zurückgeht. Die Giralgeldschöpfung der Banken wird also beendet, sei es per Stichtagreform oder nach und nach in einem schrittweisen Übergang.

So oder so ersetzt eine Vollgeldreform das Giralgeld der Banken durch positiv vorhandenes Vollgeld (Zentralbankgeld) im Vollbesitz der jeweiligen Inhaber. Das heutige Münzmonopol der Regierung und das Banknotenmonopol der staatlichen Zentralbank wird – sei zu einem Stichtag oder faktisch mit der Zeit – ausgedehnt auf alle Geldformen, die als offizielle Zahlungsmittel, als unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel dienen.

Die betreffenden Zahlungsmittel – also Formen von Vollgeld –sind zunächst weiterhin das traditionale Bargeld, solange es dieses noch gibt, und jede Form von Kontogeld (in Nachfolge des heutigen Giralgelds, auch als E-Geld). Auch die Einführung von digitalem Zentralbankgeld auf Blockchainbasis steht heute im Raum. Statt ‘von Hand zu Hand’ wie das Bargeld, oder von Konto zu Konto wie mit heutigen Girokonten und künftigen Vollgeldkonten, zirkuliert digitales Zentralbankgeld, analog altem Bargeld, direkt vom digitalen Portemonnaie des Zahlers zu dem des Empfängers ohne monetäre Vermittlung von Banken. Weitere finanztechnische Innovationen können dieselbe Funktion über bestimmte Internet-Dienste voraussichtlich auch ohne Blockchaintechnik noch schneller und billiger erfüllen.

Herausgegeben wird neues Vollgeld von der Zentralbank langfristig und zum größten Teil durch Überlassung der Mittel an den Staatshaushalt. Damit wird eine originäre Seigniorage realisiert, wie sie dem traditionalen Geldregal, der hergebrachten staatlichen Geldhoheit entspricht: dieses Geld wird von der öffentlichen Hand schulden- und zinsfrei eingenommen und ausgegeben. Durch die laufenden Ausgaben der öffentlichen Hand kommt das neue Geld langfristig in Umlauf. Kurzfristig kann neues Geld wie bisher auch im Zuge flexibler geldpolitischer Operationen durch Zentralbankkredit an Banken ausgegeben werden. Dadurch entsteht eine Zinsseigniorage.

Vollgeld der Zentralbank ist sicheres Geld. Es kann in Bankenkrisen nicht verschwinden. Von Konkurs bedrohte Banken müssten nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit gerettet werden. Die Geldmenge wäre vollständig unter Kontrolle. Für überschießende Finanzmarktspekulation würden die Banken nicht mehr zusätzliches Giralgeld erzeugen können. Finanzmarkt- und Konjunkturzyklen würden erheblich moderater verlaufen.

Der Gewinn aus der Geld­schöpfung – die Seigniorage – käme zunehmend bis letztlich vollständig den öffent­lichen Haushalten zugute. Nach heutigen Maßstäben wären das in Deutschland etwa 25 Mrd Euro je 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Damit ließen sich je nach Konjunktur und Staatsausgabenquote 1–6 Prozent des öffentlichen Gesamt­haushalts finanzieren.

Darüber hinaus würden die Bestände an liquidem Giralgeld (M1), Ende 2016 rund 1.950 Mrd Euro, nach und nach durch Vollgeld ersetzt. Das entspricht in Deutschland 90% der gesamten Staatschuld bei zuletzt 2.150 Mrd Euro. Soweit das Vollgeld über den Staatshaushalt in Umlauf käme, ließe sich somit ein großer Teil der Staatsschulden geräuschlos abbauen – ohne ‘Haircut’, also ohne Aktivaverluste der Gläubiger, und ohne unsoziale und kontraproduktive Austerität, sprich ohne Gürtel-enger-schnallen, Verluste von Arbeitsplätzen und Massenkaufkraft, und Abbau von staatlichen Leistungen.«2

Monetative als vierte Staatsgewalt

»Es ist höchste Zeit, dass der Staat seiner Gestaltungsaufgabe nachkommt, die in Bezug auf das Geldwesen folgende Inhalte berücksichtigt:

Privaten Geschäftsbanken ist die gesetzlich ungedeckte Geldschöpfung zu entziehen. Der Souverän muss dieses Vorrecht durch die eigene Zentralbank wieder in Anspruch nehmen. Konkret bedeutet das die Ausdehnung des Geldschöpfungsmonopols, das sich bisher auf Banknoten und Münzen beschränkte, auch auf die Herstellung von Giralgeld. Die Zentralbank wird hierdurch alleiniger Schöpfer von Geld.

Um Missbrauch zu unterbinden, sollten Zentralbanken im Sinne der Gewaltenteilung in den Rang einer vierten, von der Exekutive unabhängigen Instanz gehoben werden. Sie soll so unabhängig wie das Verfassungsgericht operieren, dabei freilich dem Gesamtwohl verpflichtet sein.

Von verschiedener Seite wurde daher der Name MONETATIVE vorgeschlagen. Die MONETATIVE schenkt das erzeugte Bar- und Buchgeld der Exekutive, die es aufgrund von Beschlüssen der Legislative verwendet und in die Wirtschaft einleitet. Die MONETATIVE darf aber weiterhin Kredite an die Geschäftsbanken und auch an den Staat vergeben.

Die Geschäftsbanken bleiben unabhängig. Ihre Aufgabe: den Zahlungsverkehr abzuwickeln, gesparte und zu investierende Gelder zu vermitteln. Banken vergeben weiterhin Kredite, aber dürfen kein Geld mehr schöpfen.

Mit dem Vollgeldsystem bleibt Geld Geld und Kredit Kredit. Geld entsteht nicht mehr aus Kredit und verschwindet mit ihm nicht mehr. Geld wird vom Souverän erzeugt und via Geschenk an die Exekutive in die Wirtschaft eingebracht. Es fungiert dort als Umlaufmittel. Darüber hinaus darf die Zentralbank auch weiterhin Kredite an Banken und Staat vergeben. Geldkredite und andere Investments sind auf vorhandenes Geld angewiesen, das auf entwickelten Geld- und Kreditmärkten gehandelt wird. Weltweite Überhänge an Sparkapital sichern heute jeden sinnvollen Investitionsbedarf. Falls erforderlich, kann die Geldmenge jederzeit ausgedehnt werden.

Das Vollgeldsystem verbindet den Wohlfahrtsstaat mit einer freien Bürgergesellschaft. Es ist sowohl für Liberale, Konservative, Linke und Grüne attraktiv.

Weitere Vorteile des Vollgeldsystems

  1. Geld auf Girokonten ist vollumfänglich sicher, auch bei Bankenpleiten.
  2. Die unkontrollierte Geldschöpfung durch private Banken hört auf, zukünftige Finanzblasen werden verhindert bzw. um Vieles unwahrscheinlicher. Der Staat wird dadurch nicht mehr durch Bankenpleiten erpressbar.
  3. Gewinne aus der Geldschöpfung fließen der Allgemeinheit zu. Die Umstellung des jetzigen Geldsystems auf Vollgeld bringt den Bürgerinnen und Bürgern im Euroraum einmalig ca. 5000 Milliarden an Geldschöpfungsgewinnen (genaueres hier). Damit kann ein Großteil der Staatsschulden getilgt werden. Pro Jahr würde der Geldschöpfungsgewinn mindestens 200 Mrd. betragen.
  4. Neues Geld kommt schuldenfrei in Umlauf. Die Zinslast des Staates sinkt.
  5. Wettbewerbsgleichheit zwischen Banken und Unternehmen sowie zwischen Groß- und Kleinbanken wird hergestellt.
  6. Der Wachstumsdruck auf die Wirtschaft wird reduziert, weil der Geldschöpfungsgewinn im Zuge der Einführung von Vollgeld zur Staatsschuldentilgung eingesetzt werden würde und umlaufendes Geld nicht mehr schuldbelastet wäre.
  7. In Europa operieren die meisten Banken als Universalbanken. Zahlungs-, Kredit- und reine Spekulationsgeschäfte durchmischen sich. Unter Vollgeldbedingungen können Geschäftsbanken kein Buchgeld mehr erzeugen. Daher können sie für spekulative Tätigkeiten nicht mehr auf selbst geschöpftes Geld zurückgreifen. Da Vollgeld den Eigenhandel der Banken stark einschränkt, wird das normale Bankgeschäft vom Investmentbanking getrennt. Vollgeld sorgt also auch für ein vielfach gefordertes Trennbankensystem.
  8. Das Bankgeschäft wird wieder gesund und langweilig. Die Anreizkultur für Boni-Jäger hört auf.
  9. Das Geldsystem wird für die Bürgerinnen und Bürger wieder verständlich; die Kontrolle der Geschäftsbanken um vieles einfacher.
  10. Das Vollgeldsystem (VGS) ist nicht irgendeine ausgedachte Reform von Bürokraten, die der Wirtschaft durch weitere Kontrollen das Leben erschweren möchte, sondern es passt zur Bürgergesellschaft.

Das Vollgeldsystem ist KEIN Allheilmittel. Es ist aber ein unentbehrlicher Schritt zu einem nachhaltigen Geld- und Finanzsystem und zu einer gut funktionierenden Bürgergesellschaft.«3

Quellenangaben:

1 FELBER (2014), 64.

https://www.vollgeld.de/was-ist-vollgeld/

https://monetative.at/vgs-vorteile/