Hebel 15 / Staat und Religion global trennen / Universelles Wissen anstatt religiösen Fanatismus

»Dass es in einer Gesellschaft viele religiöse, viele areligiöse und sehr viele in religiösen Fragen suchende Menschen gibt, ist allgemein bekannt. […]

Das Verhältnis von Staat und Religion ist in vielen Ländern mit christlicher Mehrheit historisch belastet, weil es dort oft ein Bündnis von Thron und Altar mit Unterdrückung aller Andersdenkenden gegeben hat. In muslimischen Ländern ist der Gedanke einer Theokratie – eines streng nach den Vorschriften des islamischen Glaubens agierenden Staates – noch heute sehr wach, besonders etwa im Iran. Anderseits wurden in etlichen ideologisch dominierten totalitären Systemen – etwa unter Hitler, Stalin oder Pol Pot – religiöse Menschen grausamst verfolgt. Wo religiöse Werte an Bedeutung verlieren, geben andere, oft inhumane Leitideen die Richtung vor.

Was moderne pluralistische Staaten daraus lernen können, ist, dass Staat und Religion, soweit dies möglich ist, getrennt, dass aber zugleich Gedanken- und damit auch Religionsfreiheit, soweit dies möglich ist, geschützt gehören. Die Einschränkung “soweit dies möglich ist” soll weder Privilegien von Religionen eine Hintertür öffnen noch Staaten erlauben, sich in alle inneren Belange der Religionen einzumischen, sie soll nur zeigen, dass in der Praxis in manchen Fällen diese strikte Trennung umstritten bleiben wird. Der Staat soll sich nicht von Religionen “hineinregieren” lassen, es kann ihm aber auch nicht ganz egal sein, ob etwa Religionsunterricht im Geist von Toleranz oder Gewaltpredigten erfolgt (weshalb er vielleicht im öffentlichen Schulwesen besser aufgehoben ist als in privaten Zirkeln) und unter welchen Rahmenbedingungen zum Beispiel traditionelle Riten wie Beschneidungen oder Schächtungen zu vollziehen sind.«104

Jede Religion hat seine Daseins Berechtigung und es soll jedem Menschen freigestellt werden, an was er oder sie letztendlich glaubt und welche Religion man letztendlich für sich wählt oder ob man ganz einfach als Atheist leben möchte. Es ist die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen und soll bedingungslos respektiert werden, solange es die Freiheit anderer nicht einschränkt oder Personen oder Gruppierungen versuchen, andere zwanghaft für eine religiöse Überzeugung zu gewinnen.

Vor  allem ist aber wichtig, dass man sein Wissen nicht auf eine Religion bzw. Religionsbuch beschränkt und anerkennt, dass die Summe des Wissens die existierenden Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Filme, Internet, etc. sprich alles übermittelte Wissen den aktuellen Status Quo darstellt und man sich aus möglichst vielen Quellen versuchen sollte, sein individuelles Weltbild zu schaffen und sich nicht auf eine Religion zu beschränken und nicht nach links und rechts zu sehen.

So wie in diesem Buch 17 Hebel beschrieben werden und ein Hebel alleine niemals die nötige Kraft haben würde, eine gerechtere Welt und neue Weltordnung hervorzubringen, so wird auch niemals eine Religion den Anspruch auf die absolute Wahrheit erheben können.

Natürlich kann jeder Mensch, sich für eine konkrete Religion entscheiden und diese praktizieren, aber Sie sollte niemals als die einzige Wahrheit betrachtet werden.

Der jeweilige Staat und die dort jeweilige gelebte Religion sollte streng vom Parlamentarismus getrennt werden. Die Gesetze die im jeweiligen Land beschlossen werden, sollten auf einem möglichst breiten universellen Wissen beruhen und nicht religiös oder im schlimmsten Fall fanatischen Überzeugungen zugrunde liegen.

Nur so haben Staaten weltweit letztendlich die Chance auch die nötigen globalen Gesetze zu beschließen, die universell für 206 Staaten gelten, fernab von religiöser, kulutureller oder geschichtlichen Rahmenbedingungen. Natürlich soll das nicht heißen, dass es keine individuellen Gesetze geben soll, die der Kultur und der Religion des jeweiligen Staates entspricht, sondern es soll das Prinzip der Subsidiarität global angewendet werden.

Wichtig ist, dass man einen gesunden Mittelweg geht, wo unterschiedliche Kulturen und Religionen in gegenseitigen Respekt einander begegnen und man es aber letztendlich schafft, Regeln und Gesetze zu formulieren, die einem universellen modernen und am besten einem wissenschaftlich belegten Wissen zugrunde liegt.

Abschließend zum Hebelregister: Würde man dieses gesamte Hebelregister ziehen, würde das in Summe eine neue Weltordnung bedeuten. Natürlich gibt es noch jede Menge weitere Möglichkeiten, global Hebel zu ziehen, um eine möglichst globale gerechte Welt herzustellen. Das wären meines Erachtens die wichtigsten Hebel, aber natürlich ist dieses Hebelregister kein in Stein gemauertes Register und soll auch dazu anregen, sich weitere Ideen einfallen zu lassen. Wichtig ist, dass dieses Buch kein abgeschlossenes System darstellt, sondern wie das Leben in dauerhafter Bewegung sein soll und viel mehr als Aufschlag gedacht sein soll, auf das sich möglichst viele Menschen stürzen sollen und z.B. Experten aus der Philosophie, Wirtschaft, Politik, etc., oder z.B. wissenschaftliche Abteilungen aus der Soziologie, Rechtswissenschaft, etc. diese Idee weiter verbessern und entsprechend ausbauen.

Quellenangabe

1 https://www.wienerzeitung.at/meinungen/blogs/religion_im_blick/537128_Die-muehsame-Trennung-von-Staat-und-Religion.html