Hebel 16 / Verpflichtende globale Gemeinwohlbilanz für alle Unternehmen, Staaten, Banken und Institutionen

»Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.«

(Bayrische Verfassung, Art. 151)

»Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft.«
(Bayrische Verfassung, Art. 157)

»Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.«
(Deutsches Grundgesetz, Art. 14)

»Das Gesetz bestimmt die Wirtschaftspläne, damit die öffentliche und private Wirtschaftstätigkeit nach dem Allgemeinwohl ausgerichtet werden können.«
(Verfassung Italiens, Art. 41)

„Der gesamte Reichtum des Landes in seinen verschiedenen Formen und unbeschadet seiner Trägerschaft ist dem allgemeinen Interesse untergeordnet.“

(Verfassung Spaniens, Art. 128)

„Die wirtschaftliche Aktivität und die Privatinitiative sind frei, innerhalb der Grenzen des Gemeinwohls.“
(Verfassung Kolumbiens, Art. 333)

»Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung im Jahre 2010 wünschen sich 88% aller Deutschen und 90% aller ÖsterreicherInnen eine neue und ethischere Wirtschaftsordnung, die den Schutz der Umwelt und den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt.«1

»Die Gemeinwohl-Bilanz misst Erfolg nach neuen Maßstäben: Nicht der Finanzgewinn ist das Ziel, sondern die Mehrung des Gemeinwohls.«2

Unternehmen: Am Ende des Jahres wird nicht nur eine finanzielle Bilanz gezogen, sondern eine allumfassende, sprich wie wirkt sich das Wirtschaften des jeweiligen Unternehmens auf die Gesellschaft als Ganzes aus.

»Der individuelle Beitrag zum Gemeinwohl wird auf Basis der Gemeinwohl-Matrix definiert und bewertbar gemacht. Das ermöglicht die systematische Betrachtung aller Aktivitäten aus einer 360°-Perspektive und schärft den Blick für das Wesentliche:

  • Was für Auswirkungen haben wirtschaftliche Aktivitäten auf die allgemeine Lebensqualität, heute und morgen?
  • Wird die Menschenwürde geachtet?
  • Wird soziale Gerechtigkeit gefördert?
  • Wird ökologische Nachhaltigkeit sichergestellt?
  • Wie transparent, solidarisch und demokratisch werden unternehmerische Ziele erreicht?«3

Banken: Banken prüfen Unternehmen primär auf Ihre Liquidität. Die Gemeinwohlökonomie sieht vor, dass die Bank vorher prüft, wie das Geld investiert werden soll und ob es dem Gemeinwohl nützt oder schadet. Nachdem das geprüft wurde, erst dann wird geprüft, ob das Unternehmen einen sicheren finanziellen Rahmen für die Kreditvergabe bietet. Je mehr die Investition dem Gemeinwohl dient, umso günstiger erhält das Unternehmen den Kredit.

Staaten: Staaten sollten ebenfalls dazu beitragen, klar der Bevölkerung darzulegen, inwieweit die gesamten Strukturen im System dem Gemeinwohl dienen. In den Medien wird ständig davon gesprochen, steigt oder fällt das Bip. Wesentlich ist, dass bei der Gemeinwohlbilanz, der Zugewinn des Bip ins Verhältnis gesetzt wird und man klar erkennt ob das gesamtheitliche Wirtschaften des jeweiligen Staates dem Gemeinwohl dient oder nicht. Wenn das Bip steigt, z.B. aufgrund von Finanz-, Spekulations-, Immobilienblasen, Raubbau an der Umwelt, Menschenrechtsverletzungen, etc. dann ist das ein positives wirtschaften für wenige. Der Staat muss Interesse daran haben zu messen, wie sich die Gesellschaft als Ganzes entwickelt und wie die jeweiligen Unternehmen, die Kreditvergabe an Unternehmen, auf das Gemeinwohl auswirkt. Wenn der Staat dieses Instrumentarium der Gemeinwohlbilanz anlegt und in Prozenten darstellt, ob das Gemeinwohl im jeweiligen Staat steigt oder fällt, wird auch automatisch die gesamte Bevölkerung auf dieses Thema sensibilisiert, da es jedes Jahr ein wesentlicher Teil der Jahresbilanz jedes einzelnen Staates darstellt und das dann auch medial an die Bevölkerung weitergegeben wird. So würde das Bip einen gesunden Mitbewerber erhalten, den Faktor Gemeinwohl.

In Summe: Jedes Unternehmen, Banken, Zentralbanken, alle Staaten dieser Welt (Gemeinden, Bundesländer), aber auch Bildungseinrichtungen, NGOs, etc. sollten eine Gemeinwohlbilanz verpflichtend machen müssen, so hätte die Welt die Chance die globale Marktwirtschaft vom blinden Fluss der Finanzrendite abzukoppeln. Wesentlich ist aber auch, natürlich sollen Unternehmen weiterhin profitabel sein, und Ihr wirtschaften auf Gewinn ausgerichtet sein. Der Gemeinwohlfaktor soll lediglich das Geldverdienen ethisch lenken, damit das Gemeinwohl nicht weiter ungebremst geschädigt wird.

»Gemeinwohl-Bilanzen sollen für jedermann gut verständlich sein;[4] Unternehmen können ihre Gemeinwohl-Leistung auf einer einzigen Seite transparent machen.[5][6] Dabei können die Unternehmen entscheiden, ob sie die Bilanz in Eigenregie erstellen, sich in einer Gruppe gegenseitig bilanzieren oder einen unabhängigen Prüfer bestellen.[7][8] Dies unterscheidet die Gemeinwohl-Bilanz von herkömmlichen Nachhaltigkeitsberichten, die von den Unternehmen selbst erstellt werden[2] – sie kann auch vergleichsweise preisgünstig erstellt werden, für kleine Unternehmen werden ca. 1000 Euro veranschlagt.[9]
 
Bislang bilanzieren im deutschsprachigen Raum ca. 250 Unternehmen nach Gemeinwohl-Richtlinien,[2][10][11][12][13] in Europa sind es 350–400 Unternehmen (Stand: Anfang 2016).[14][15][16] Insgesamt gibt es 590 deutsche, 631 österreichische, 67 Schweizer und 70 Südtiroler Unternehmen, die sich als Unterstützer der Gemeinwohl-Bilanz registriert haben.[17][18] Alle in einer Peer-Gruppe und extern auditierten Gemeinwohl-Bilanzen sind öffentlich zugänglich.[19]
 
Ab 2017 sind alle börsennotierten Unternehmen[Anm. 1] mit mehr als 500 Mitarbeitern durch eine EU-Richtlinie verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.[7][20] Dabei hat die EU mehrere Bilanzierungs-Standards explizit erwähnt, darunter auch die Gemeinwohl-Bilanz.[21] Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss, der die EU-Organe berät, hat in einer Stellungnahme empfohlen, dass Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen sollten: Ziel sei „der Wandel hin zu einer ethischen Marktwirtschaft“.[22]
 
In den USA und Italien ist der Geschäftstypus Gemeinwohlorientierte GmbH bereits gesetzlich verankert.[7]«4

Warum wird die Gemeinwohlökonomie nicht umgesetzt?

Ich denke, dass die »Gemeinwohlökonomie« in Summe zu stark gegen den Kapitalismus vorgeht, sprich gegen den Instinkt von einzelnen Unternehmern, die es seit Jahrhunderten gewohnt sind, aus reinem Eigeninteresse Geschäfte zu machen, ohne dass Sie dabei vordergründig Gedanken an das Gemeinwohl verschwendet haben. Menschen sind es seit Jahrhunderten gewohnt in Geldeinheiten zu denken und vor allem reiche Menschen haben es sich zum Sport gemacht, Ihr Geld möglichst gewinnbringend zu investieren, wenn nötig fern jeder Moral. »The best time to buy is when there is blood on the streets« (Mark Mobius (Präsident of Templeton Emerging Markets – Singapur) Wenn jetzt jemand vorschlägt alles Wirtschaften dient vordergründig dem Gemeinwohl, dann denke ich ist das wünschenswert, aber aus heutiger Sicht ein schwieriges Unterfangen. Christian Felber denkt in hohen moralischen Kategorien, was natürlich aus meiner Sicht erfreulich ist, aber ich denke, damit man ein System ändern kann, muss man stärker beide Seite abholen. Zum einen das Gemeinwohl, aber zum anderen auch klar systemisch beschreibt, ja ihr könnt weiter Geschäfte machen im Eigeninteresse, es ist wichtig das eure schöpferische innovatives Wirtschaften unseren Wohlstand sichert, ihr habt die legitime Möglichkeit sehr reich zu werden, solange gewährleistet ist, dass ihr die globale Basis Gesetzgebung einhält, wodurch gewährleistet ist, dass jeder Mensch global ein menschenwürdiges Leben führen kann.

Aus meiner Sicht wäre ein möglicher Übergang von einer kapitalistischen und kommunistischen Gesellschaft zu einer Gemeinwohlorientierten Gesellschaft, eine Gemeinwohlorientierte kapitalistische Gesellschaft, was zur Folge hätte, dass global alle Staaten Regeln definieren, die es weiterhin Konzerne ermöglicht Ihr Geschäftsmodel voranzutreiben, aber Sie einen entsprechenden Beitrag an das Gemeinwohl leisten müssen und entsprechende Mindeststandards einhalten müssen, wie im Hebelregister beschrieben. Im Weiteren sollten global alle Staaten damit beginnen eine Gemeinwohlbilanz zu erstellen, dass wäre ein erster Schritt, dass Unternehmen auch schmackhaft zu machen. Wenn das von der Bevölkerung gut angenommen wird, kann man in weiterer Folge auch Unternehmen, Banken und weitere Institutionen dazu verpflichten. Das wäre meines Erachtens ein realistischer überschaubarer Weg, wo eine globale Gesellschaft langsam umstrukturiert wird. Wenn die Hebel entsprechend Wirkung zeigen, dann wird man nach mehr Strukturwandel verlangen. Aber am wichtigsten ist, dass man bedacht und mit Nachdruck die ersten Hebel zieht, bevor sich dann ein mögliches System wie von Christian Felber „Die Gemeinwohlökonomie“ oder die vom „Club of Rome“ formulierte „Ökosoziale Marktwirtschaft“ etablieren kann.

Wesentliches Problem was ich aus heutiger Sicht ebenfalls sehe, dass der Gedanke des »Gemeinwohls« nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, da es nicht ein Vokabular ist, dass in der Real politischen Diskussion nachhaltig stattfindet. Vereine und NGOs finden nur bedingt gehör in den Medien und Politiker verkaufen lieber eine Ideologie die sich leicht wählen lässt. Linke Parteien, Sozialisten haben dieses Gedankenmodell abgespeichert, aber Sie stellen sich nicht ins Rampenlicht und befeuern ständig die Bevölkerung das man globale Gesetze einführen muss, die das Gemeinwohl schützen und stärken. Es bedarf einer Partei, die z.B. »Du wirst die Welt verändern«, »Global« oder »Gemeinwohlorientierte Partei« heißen könnte und diese sollte in möglichst vielen Staaten dieser Welt vertreten sein. Wesentlich ist, dass wenn die nächste Finanzkrise kommt und die Bevölkerung von solch einer Partei über Monate und Jahre gehört hat und für den Souverän im jeweiligen Land klar ist, welche Positionen diese Partei einnimmt, dann kann es passieren, dass solch eine Partei massiv gestärkt wird und das andere Parteien sich diese Argumente ebenfalls an die Fahnen heften und versuchen damit Wähler zu gewinnen. Aus heutiger Sicht wird die Thematik von politischen Parteien mehr als schlecht verkauft, sieht man z.B. in Europa ganz klar, wie die Sozialdemokratie flächendeckend abgewählt wurde.

Abschießend: Ich schätze die Bücher und Ideen von »Christian Felber« sehr und vor allem seine Ideen das Gemeinwohl zu stärken. Aber ich denke, dass er Unternehmen global zu sehr Angst macht, dass Sie nur noch moralisch agieren dürfen, vordergründig dem Gemeinwohl dienen müssen und Ihren Instinkt und Antrieb ab jetzt verleugnen müssen, dass Sie mit Ihrem Wirtschaften vordergründig Geld verdienen wollen. Man kann sich moralisch viel wünschen, aber aus heutiger Sicht ist das Geld verdienen, so tief bei Unternehmern verankert, dass man hier, denke ich, anders an Sie herantreten muss. Deshalb mein vorgeschlagener Übergang: „Gemeinwohlorientierte kapitalistische Marktwirtschaft“, wo man das Gemeinwohl mit dem beschriebenen Hebelregister systemisch schützt, aber weiterhin den Unternehmen kommuniziert, es ist gut, dass du angetrieben bist, ein bestmögliches Produkt oder Dienstleistung auf den Markt zu bringen, was gewährleistet das du reich werden kannst und das auch vollkommen in Ordnung ist, solange die globalen Mindeststandards eingehalten werden.

Quellenangaben:

1 https://www.ecogood.org/de/vision/darum-gemeinwohl/
 
2 https://www.ecogood.org/de/gemeinwohl-bilanz/
 
3 https://www.ecogood.org/de/gemeinwohl-bilanz/
 
4 https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwohl-Bilanz