Millenniums-Entwicklungsziele: Abschlussbericht 2015:

Was wurde politisch getan, um diesem unerträglichen globalen Ist-Zustand zu begegnen? Millenniums-Entwicklungsziele – Abschlussbericht 2015:

In der Vergangenheit gab es bereits viele Gipfel, die diese globalen Probleme erkannten und bei denen der Versuch unternommen wurde, diese massiven menschunwürdigen Missstände klar zu definieren und zu reduzieren. Die wesentlichen Zielsetzungen im 21. Jh. wurden mittels der Millenniumsziele (MDG) und den Sustainable Development Goals (SDG) definiert.

a) Milleniumsziele

»Am 9. September 2000 haben sich daher 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zu den Milleniumszielen bekannt um wesentliche globale Probleme wesentlich zu reduzieren. „Die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sind acht Entwicklungsziele für das Jahr 2015, die von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, des IWF und des Entwicklungsausschusses Development Assistance Committee der OECD formuliert worden sind. Sie wurden aus der Millenniumserklärung abgeleitet, die im Rahmen des so genannten Millennium-Gipfels von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde.
 
Ende September 2015 wurden die MDG durch die 17 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 in New York von den 193 aktuellen Mitgliedsstaaten der UNO einstimmig verabschiedeten weltweiten Sustainable Development Goals (SDG, engl., „nachhaltige Entwicklungsziele“) ergänzt:[1][2][3] Nach ihnen sollen unter Anderem bis 2030 weltweit Armut und Hunger verschwunden sein.

Millennium – Gipfel

Als Millennium-Gipfel (englisch Millennium Assembly) wird die 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen bezeichnet, die vom 6. bis 8. September 2000 in New York stattfand. Auf der bis dahin größten Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs einigten sich die Teilnehmer auf einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Ziel- und Zeitvorgaben und dem übergeordneten Ziel, die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren: den Millenniums-Entwicklungszielen. Dabei listete eine politische Bestandsaufnahme der Vereinten Nationen folgende Fakten auf:
  1. Zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme lebten über eine Milliarde Menschen in extremer Armut – das heißt, jeder fünfte Mensch hatte weniger als den Gegenwert eines US-Dollars (Kaufkraftparität) pro Tag für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung. 
  2. Mehr als 700 Millionen Menschenhungerten und waren unterernährt.
  3. Mehr als 115 Millionen Kinder im Volksschulalter hatten keine Möglichkeit zur Bildung, d. h., sie konntenweder lesen noch schreiben.
  4. Über einer Milliarde Menschen war der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt, mehr als zwei Milliarden hatten keine Möglichkeit, sanitäre Anlagen zu nutzen. Diese Menschen hatten kaum Chancen, sich an gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Prozessen zu beteiligen.

Millenniumserklärung

Am 9. September 2000 beschlossen 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen mit der Millenniumserklärung einen Katalog grundsätzlicher, verpflichtender Zielsetzungen für alle Mitgliedstaaten.[4]Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz wurden als die wichtigsten Ziele der internationalen Gemeinschaft bestätigt. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf dem Kampf gegen die extreme Armut: Armut wurde nicht mehr nur allein als Einkommensarmut verstanden, sondern umfassender als Mangel an Chancen und Möglichkeiten.
 
Reiche wie auch arme Länder verpflichteten sich, die Armut drastisch zu reduzieren und Ziele wie die Achtung der menschlichen Würde, Gleichberechtigung, Demokratie, ökologische Nachhaltigkeit und Frieden zu verwirklichen.
 
Im Vergleich zu früheren Entwicklungsdekaden sind die Ziele umfassender, konkreter und mehrheitlich mit eindeutigem Zeithorizont versehen. Außerdem ist zu erwähnen, dass sich nie zuvor neben Regierungen auch Unternehmen, internationale Organisationen, aber auch die Zivilgesellschaft so einstimmig zu einem Ziel bekannt haben und sich einig sind, dass der Ausbreitung der Armut Einhalt geboten werden muss.

Oberstes Ziel war die globale Zukunftssicherung, für die vier programmatische Handlungsfelder festgelegt wurden:

  1. Frieden, Sicherheit und Abrüstung
  2. Entwicklung und Armutsbekämpfung
  3. Schutz der gemeinsamen Umwelt
  4. Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung

Hier nochmals die Milleniumsziele im Überblick

Millenniumsziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Millenniumsziel 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung

Millenniumsziel 3: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen

Millenniumsziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit

Millenniumsziel 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern

Millenniumsziel 6: Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

Millenniumsziel 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

Millenniumsziel 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Was wurde bis zum Jahr 2015 erfolgreich umgesetzt?

ZIEL 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

  1. Die extreme Armut ist in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. 1990 lebte fast die Hälfte der Bevölkerung der Entwicklungsländer von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Dieser Anteil ist 2015 auf 14 Prozent gesunken.
  2. Weltweit fiel die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen zwischen 1990 und 2015 um mehr als die Hälfte, von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen. Die größten Fortschritte stellten sich seit 2000 ein.
  3. Die Zahl der Erwerbstätigen, die der Mittelschicht angehören – d. h. die von mehr als 4 Dollar pro Tag leben –, hat sich von 1991 bis 2015 fast verdreifacht. Diese Gruppe macht heute in den Entwicklungsregionen fast die Hälfte der Erwerbsbevölkerung aus, gegenüber 18 Prozent im Jahr 1991.
  4. Der Anteil unterernährter Menschen in den Entwicklungsregionen ist seit 1990 um beinahe die Hälfte zurückgegangen, von 23,3 Prozent in den Jahren 1990- 1992 auf 12,9 Prozent in den Jahren 2014-2016.

ZIEL 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung

  1. In den Entwicklungsregionen stieg die Netto-Bildungsbeteiligungsquote im Grundschulbereich zwischen 2000 und 2015 von 83 auf 91 Prozent.
  2. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, weltweit fast um die Hälfte, von 100 auf schätzungsweise 57 Millionen.
  3. Seit der Einführung der Millenniumsziele erzielte Afrika südlich der Sahara unter allen Regionen die größten Fortschritte bei der Grundschulbildung. Der Anstieg der Netto-Bildungsbeteiligungsquote in der Region lag zwischen 1990 und 2000 bei 8 Prozentpunkten, im Zeitraum 2000-2015 hingegen bei 20 Prozentpunkten.
  4. Der Alphabetisierungsgrad bei 15- bis 24-Jährigen stieg zwischen 1990 und 2015 weltweit von 83 auf 91 Prozent, und das Gefälle zwischen Männern und Frauen ist geringer geworden.

ZIEL 3: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen

  1. Heute besuchen viel mehr Mädchen eine Schule als vor 15 Jahren. Die Entwicklungsregionen als Ganzes haben die Zielvorgabe erreicht, die Geschlechterdisparitäten in der Grund- und Sekundarstufe und im tertiären Bildungsbereich zu beseitigen.
  2. In Südasien kamen 1990 auf 100 Jungen, die die Grundschule besuchten, nur 74 Mädchen. Heute sind es 103 Mädchen je 100 Jungen.
  3. Frauen machen heute 41 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen außerhalb der Landwirtschaft aus. 1990 waren es 35 Prozent.
  4. Zwischen 1991 und 2015 fiel der Anteil der in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen tätigen Frauen an allen weiblichen Erwerbstätigen um 13 Prozentpunkte. Bei Männern hingegen sank dieser Anteil um 9 Prozentpunkte.
  5. Frauen haben in den Parlamenten in beinahe 90 Prozent der 174 Länder, aus denen Daten für die letzten 20 Jahre vorliegen, an Boden gewonnen. Der durchschnittliche Frauenanteil in den Parlamenten hat sich im selben Zeitraum nahezu verdoppelt. Dennoch sind nur ein Fünftel der Parlamentarier Frauen.

ZIEL 4: Senkung der Kindersterblichkeit

  1. Zwischen 1990 und 2015 sank die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren weltweit um mehr als die Hälfte, von 90 auf 43 Sterbefälle je 1.000 Lebendgeburten.
  2. Trotz Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsregionen gingen die Sterbefälle von Kindern unter fünf Jahren weltweit von 12,7 Millionen im Jahr 1990 auf knapp 6 Millionen im Jahr 2015 zurück.
  3. Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Rate des Rückgangs der Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren weltweit mehr als verdreifacht.
  4. In Afrika südlich der Sahara war die jährliche Senkungsrate der Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren im Zeitraum 2005-2013 mehr als fünfmal höher als im Zeitraum 1990-1995.
  5. Mithilfe von Masernimpfungen wurden zwischen 2000 und 2013 fast 15,6 Millionen Sterbefälle vermieden. Die Zahl der weltweit gemeldeten Masernfälle sank im selben Zeitraum um 67 Prozent.
  6. Etwa 84 Prozent der Kinder weltweit erhielten 2013 mindestens eine Dosis Masern-Lebendimpfstoff, gegenüber 73 Prozent im Jahr 2000.

ZIEL 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern

  1. Die Müttersterblichkeitsrate sank seit 1990 weltweit um 45 Prozent, und der stärkste Rückgang war seit 2000 zu verzeichnen.
  2. In Südasien sank die Müttersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2013 um 64 Prozent, in Afrika südlich der Sahara um 49 Prozent.
  3. 2014 wurden über 71 Prozent der Geburten weltweit von medizinischem Fachpersonal betreut, 1990 waren es 59 Prozent.
  4. In Nordafrika stieg der Anteil der Schwangeren, die vier oder mehr Vorsorgetermine wahrnahmen, zwischen 1990 und 2014 von 50 auf 89 Prozent. • Zwischen 1990 und 2015 stieg der Anteil der verheirateten oder in einer Partnerschaft lebenden 15-49-jährigen Frauen, die verhüten, weltweit von 55 auf 64 Prozent.

ZIEL 6: Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

  1. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen fiel zwischen 2000 und 2013 um rund 40 Prozent, von schätzungsweise 3,5 auf 2,1 Millionen Fälle.
  2. Im Juni 2014 waren weltweit 13,6 Millionen HIV-Infizierte in antiretroviraler Behandlung (ART), gegenüber nur 800.000 im Jahr 2003. ART wendete zwischen 1995 und 2013 7,6 Millionen Aids-Todesfälle ab.
  3. Zwischen 2000 und 2015 wurden über 6,2 Millionen Malariatodesfälle abgewendet, hauptsächlich bei Kindern unter fünf Jahren in Afrika südlich der Sahara. Die weltweite Malaria-Inzidenzrate sank um schätzungsweise 37 Prozent, die Sterblichkeitsrate um 58 Prozent.
  4. Zwischen 2004 und 2014 wurden mehr als 900 Millionen imprägnierte Moskitonetze in malariaendemische Länder in Afrika südlich der Sahara geliefert.
  5. Zwischen 2000 und 2013 wurden durch Tuberkuloseprävention, -diagnose und -behandlung etwa 37 Millionen Menschenleben gerettet. Die Tuberkulose-Sterblichkeitsrate fiel zwischen 1990 und 2013 um 45 Prozent, die Prävalenzrate um 41 Prozent.

ZIEL 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

  1. Ozonabbauende Stoffe wurden seit 1990 praktisch abgeschafft, und die Ozonschicht wird sich voraussichtlich bis Mitte dieses Jahrhunderts erholt haben.
  2. Land- und Meeresschutzgebiete haben seit 1990 in vielen Regionen erheblich zugenommen. In Lateinamerika und der Karibik stieg der Anteil der geschützten Landgebiete zwischen 1990 und 2014 von 8,8 auf 23,4 Prozent der Landfläche.
  3. 2015 haben 91 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu verbesserter Trinkwasserversorgung, gegenüber 76 Prozent im Jahr 1990.
  4. 1,9 Milliarden der 2,6 Milliarden Menschen, die seit 1990 Zugang zu verbessertem Trinkwasser erhielten, bekamen einen eigenen Trinkwasserleitungsanschluss. Damit hat mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Weltbevölkerung diese höhere Versorgungsstufe erreicht.
  5. Weltweit haben 147 Länder das Trinkwasserziel, 95 das Sanitärversorgungsziel und 77 Länder beide Ziele erreicht.
  6. Weltweit erhielten 2,1 Milliarden Menschen Zugang zu verbesserter Sanitärversorgung. Der Anteil der Menschen, die ihre Notdurft im Freien verrichten, sank seit 1990 um beinahe die Hälfte.
  7. Der Anteil der in Slums lebenden städtischen Bevölkerung in den Entwicklungsregionen sank zwischen 2000 und 2014 von etwa 39,4 auf 29,7 Prozent.

ZIEL 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

  1. Die öffentliche Entwicklungshilfe der entwickelten Länder stieg zwischen 2000 und 2014 real um 66 Prozent auf 135,2 Milliarden Dollar.
  2. Dänemark, Luxemburg, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich lagen 2014 weiter über dem Zielwert der Vereinten Nationen für die öffentliche Entwicklungshilfe von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.
  3. 2014 waren 79 Prozent der Importe der entwickelten Länder aus den Entwicklungsländern zollfrei, gegenüber 65 Prozent im Jahr 2000.
  4. Das Verhältnis Auslandsschuldendienst zu Exporterlösen fiel in den Entwicklungsländern von 12 Prozent im Jahr 2000 auf 3 Prozent im Jahr 2013.
  5. 2015 können 95 Prozent der Weltbevölkerung ein Mobilfunksignal empfangen.
  6. Die Zahl der Mobilfunkteilnehmer hat sich in den letzten 15 Jahren fast verzehnfacht, von 738 Millionen im Jahr 2000 auf mehr als 7 Milliarden im Jahr 2015.
  7. 2000 nutzten knapp über 6 Prozent der Weltbevölkerung das Internet, 2015 schon 43 Prozent. Damit sind 3,2 Milliarden Menschen mit einem globalen Netz von Inhalten und Anwendungen verbunden.

Bei vielen Millenniums-Zielvorgaben waren die Fortschritte weltweit gesehen erheblich, für einzelne Regionen und Länder jedoch ungleichmäßig, und es bestehen noch immer große Lücken. Millionen Menschen bleiben zurück – insbesondere die ärmsten und diejenigen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters, einer Behinderung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Wohnorts benachteiligt sind. Um diese Menschen zu erreichen, bedarf es gezielter Maßnahmen.

[…] Die Erfolge der Millenniums-Agenda beweisen die Wirksamkeit globalen Handelns. Nur globales Handeln kann gewährleisten, dass die neue Entwicklungsagenda niemanden zurücklässt.

Die Weltgemeinschaft steht 2015 an einem historischen Scheideweg. Der Ablauf der Frist für die Erreichung der Millenniumsziele bietet der Welt Gelegenheit, auf den Erfolgen und der Dynamik aufzubauen, die durch sie entstanden sind, und gleichzeitig neuen Ambitionen für die Zukunft, die wir wollen, nachzugehen. Eine kühne neue Agenda ist im Entstehen begriffen, um die Welt so zu transformieren, dass sie den Bedürfnissen der Menschen und den Erfordernissen der Wirtschaftstransformation besser gerecht wird, und dabei gleichzeitig die Umwelt zu schützen, den Frieden zu wahren und die Menschenrechte zu verwirklichen. Im Kern dieser Agenda liegt die nachhaltige Entwicklung, die für jeden Menschen auf der Welt Lebenswirklichkeit werden muss.«1

Gesamten Millenniumsbericht 2015 finden Sie hier:

http://www.un.org/depts/german/millennium/MDG%20Report%202015%20German.pdf

Zusammengefasst: Das aktuelle globale System führt zu dieser globalen Realität, woraus man logischerweise schließen muss, dass am System Änderungen vorgenommen werden müssen, auch wenn bis dato bereits Verbesserungen erzielt wurden. Die Systemänderungen können erst dann als erfolgreich eingestuft werden, wenn sich auf allen wesentlichen Ebenen Erfolge eingestellt haben und das globale Leiden auf ein Minimum reduziert wurde.

Quellenangabe:

1 http://www.un.org/depts/german/millennium/MDG%20Report%202015%20German.pdf