Sustainable Development Goals – Die neuen 17 Nachhaltigkeitsziele in Kurzfassung

»Mit den SDGs oder kurz Global Goals will die internationale Staatengemeinschaft bis Ende 2030 Armut beseitigen, die Gleichstellung von Frauen vorantreiben, die Gesundheitsversorgung verbessern und dem Klimawandel entgegensteuern. Die Vertreter von 193 UN-Staaten hatten sich Anfang August auf eine Agenda für nachhaltige Entwicklung geeinigt. Im Rahmen des UN Sustainable Development Summit 2015 in New York haben am 25. September 2015 Staats- und Regierungschefs aus allen Ländern die Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet.

Um eine möglichst breite Zustimmung zu erhalten, leiteten die UN den größten Planungs- und Konsultationsprozess ihrer Geschichte ein. Seit mehreren Jahren arbeiten unter anderem 60 UN-Unterabteilungen und internationale Organisationen an der “Post-2015-Agenda”. Maßgeblich für die SDGs waren die Nachhaltigkeitsziele des Rio+20-Gipfels vor drei Jahren zum Klimaschutz. Das Ergebnis der Arbeitsgruppen sind 17 Ziele und 169 Zielsetzungen der nachhaltigen Entwicklung, die sich im Gegensatz zu den Millenniumszielen nicht nur an die Länder des Globalen Südens wenden, sondern für alle Staaten weltweit gleichermaßen Gültigkeit haben.

Bei den SDGs steht nun der Mensch stärker im Mittelpunkt. Menschenrechte werden daher als Querschnittsthema etabliert. Anders als die Millenniumsentwicklungsziele, streben die neuen Ziele umfassende Veränderungen an, die auch die Industriestaaten in die Pflicht nimmt. Das gilt für den schonenden Umgang mit Ressourcen, die Verantwortung für Sozialstandards oder den Ausstoß klimaschädlicher Gase. Der Schwerpunkt liegt auf Nachhaltigkeit. Zusätzlich kommen auch gesellschaftspolitische Ziele wie Gleichheit der Geschlechter, eine gerechte Steuerpolitik, die Verringerung der Ungleichheit zwischen und innerhalb Staaten oder der Zugang zu Rechtshilfe und inklusiven Institutionen hinzu.

Das oberste Anliegen der SDGs ist die Beendigung der extremen Armut “in allen Formen und überall in der Welt”. Sie betrifft derzeit rund eine Milliarde Menschen, die mit weniger als 1,11 Euro pro Tag auskommen müssen. “Niemanden zurücklassen” lautet das Motto für UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Entscheidend für ein Gelingen der SDGs ist auch die Finanzierung. Die Ergebnisse der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba im Juli: Schwellen- und Entwicklungsländern sollen durch den Aufbau funktionierender Steuersysteme und den Kampf gegen Korruption mehr Mittel erhalten und die Geberländer bekräftigen ihre Verpflichtung, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. Den Rest soll die Privatwirtschaft beisteuern. Die UN gehen von einem Jahresbedarf von drei Billionen US-Dollar aus.«2

1. Armut

Die aktuelle Lage: Seit 1990 wurde die Armut weltweit um die Hälfte reduziert, allerdings leben immer noch 836 Millionen Menschen in extremer Armut. Einer von fünf Menschen in den Entwicklungsländern muss mit weniger als 1,12 Euro am Tag auskommen. Eins von sieben Kindern ist stark untergewichtig. Im Jahr 2014 haben sich täglich 42.000 Menschen auf die Flucht begeben.

Wichtigstes der insgesamt sieben Ziele gegen ArmutBis 2030 soll sichergestellt werden, dass allen Männern und Frauen, darunter besonders den Armen und Bedürftigen, die gleichen ökonomischen Ressourcen zur Verfügung stehen. Darunter die zur Erfüllung der Grundbedürfnisse, Besitz und Kontrolle über eigenes Land sowie der Zugriff auf natürliche Ressourcen, neue Technologien, Finanzsysteme und Mikrofinanzierungen.

2. Hunger

Die aktuelle Lage: Klimawandel, Verschmutzung der Meere, Flucht aus der Heimatund Verlust der eigenen Ländereien – weltweit ist einer von neun Menschen der insgesamt 7,95 Milliarden umfassenden Bevölkerung unterernährt. Der asiatische Kontinent ist am stärksten betroffen. Knapp die Hälfte (45 Prozent) aller Kinder unter fünf Jahren stirbt jährlich aufgrund von Mangelernährung – das sind 3,1 Millionen.

Wichtigstes der insgesamt acht Ziele gegen HungerBis ins Jahr 2030 soll kein Mensch auf der Erde mehr an Hunger leiden.

3. Lebensqualität

Die aktuelle Lage: Es gibt Fortschritte bei der Trinkwasserversorgung, der Reduzierung von Malaria, Tuberkulose, Polio und bei der Eindämmung von HIV/Aids. Seit 1990 sterben 17.000 Kinder weniger pro Tag, aber jährlich sterben immer noch mehr als sechs Millionen Kinder vor dem fünften Lebensjahr.

Wichtigstes der insgesamt zwölf Ziele für bessere LebensbedingungenBis 2020 insgesamt die Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle halbieren. Bis 2030 sicherstellen, dass weltweit Zugriff auf Verhütungsmethoden, Aufklärung und Gesundheitsvorsorge besteht. Familienplanung soll ein fester Bestandteil der nationalen Strategien und Programme sein.

4. Bildung

Die aktuelle Lage: Zwar haben sich weltweit die Bildungschancen für Jungen und Mädchen verbessert, aber in vielen Ländern herrscht immer noch Nachholbedarf. 57 Millionen Kinder und Jugendliche besuchen keine Schule. 103 Millionen Jugendliche können nicht lesen und schreiben – 60 Prozent davon sind Mädchen.

Wichtigstes der insgesamt zehn Ziele für bessere BildungBis 2030 sollen geschlechtsbedingte Unterschiede in der Bildung beseitigt werden, damit alle gleiche Bildungschancen bekommen – inklusive Menschen mit Behinderungen, Ureinwohner und Kinder in Krisengebieten.

5. Gleichberechtigung

Die aktuelle Lage: Gleichberechtigung ist nicht nur ein fundamentales Menschenrecht, sondern auch eine notwendige Grundlage für ein friedliches, fruchtbares und nachhaltiges Zusammenleben. Immerhin sind global in 46 Ländern nun mehr als 30 Prozent der Sitze in nationalen Regierungen von Frauen besetzt .

Wichtigstes der insgesamt neun Ziele für GleichberechtigungJede Art von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit und im privaten Bereich soll abgeschafft werden, darunter sexuelle Belästigung und Ausbeutung.

6. Wasser

Die aktuelle Lage: Bis 2050 wird einer von vier Menschen in einem Land leben, welches von chronischer Wasserverschmutzung oder Wassermangel betroffen sein wird. Sechs Milliarden Menschen haben seit 1990 Zugang zu Trinkwasser bekommen, aber 663 Millionen Menschen fehlt er noch immer. Über 1,8 Milliarden Menschen weltweit haben lediglich Zugriff auf Wasser, das mit Fäkalien belastet ist.

Wichtigstes der insgesamt acht Ziele für bessere WasserversorgungBis 2030 soll ein universeller und gerechter Zugang zu sauberem Wasser und Trinkwasser für alle Menschen ermöglicht werden.

7. Energie

Die aktuelle Lage: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon leitet die Kommission für Nachhaltige Energie für alle, um sicherzustellen, dass Menschen weltweit von nachhaltiger, zuverlässiger und erneuerbarer Energie profitieren. Einer von fünf Menschen weltweit hat keinen Zugang zu Elektrizität. Drei Milliarden Menschen nutzen Holz, Kohle oder Tierkadaver zum Heizen und Kochen.

Wichtigstes der insgesamt fünf Ziele für EnergieversorgungBis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energien im weltweiten Energiemix deutlich erhöht werden.

8. Beschäftigung

Die aktuelle Lage: Weltweit waren im Jahr 2007 rund 170 Millionen Menschen arbeitslos; 2012 waren es 202 Millionen – darunter 75 Millionen junge Menschen. Fast 2,2 Milliarden Menschen müssen mit knapp zwei Euro am Tag auskommen. 470 Millionen Jobs müssen bis 2030 geschaffen werden.

Wichtigstes der insgesamt zwölf Ziele für mehr WachstumBis 2030 soll eine vollständige Beschäftigung mit anständiger Arbeit und fairer Bezahlung für Frauen und Männer sichergestellt sein, inklusive für Jugendliche und Menschen mit Behinderungen.

9. Infrastruktur

Die aktuelle Lage: Über 2,6 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu Elektrizität und Sanitäranlagen. 800 Millionen Menschen, besonders in der Sahara und in Südasien, haben keine gesicherte Trinkwasserversorgung. Anderthalb Millionen Menschen haben keinen Zugriff auf funktionierende Telefonleitungen.

Wichtigstes der insgesamt acht Ziele für bessere Infrastruktur: Es muss eine maßgebliche Verbesserung des Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht werden sowie ein weltweiter und erschwinglicher Zugang zum Internet in den am wenigsten entwickelten Ländern bis 2020.

10. Einkommensunterschiede

Die aktuelle Lage: Die Einkommensunterschiede in den Entwicklungsländern haben sich seit 1990 um elf Prozent verringert. Ein maßgeblicher Teil der Haushalte dort – 75 Prozent – lebt aber immer noch in Gesellschaften, wo das Einkommen ungerechter verteilt ist als noch 1990.

Wichtigstes der insgesamt zehn Ziele zur EinkommensgerechtigkeitBis 2030 soll das Grundeinkommen für die untersten 40 Prozent der Bevölkerung auf den nationalen Durchschnitt angehoben werden.

11. Stadtentwicklung

Die aktuelle Lage: Die Hälfte der Weltbevölkerung – 3,5 Milliarden Menschen – lebt in Städten. Bis 2030 werden 60 Prozent mehr in Städten und Vororten leben, davon entfallen 95 Prozent auf die Entwicklungsländer. 828 Millionen Menschen leben heute in Slums – mit drastischem Anstieg wird gerechnet.

Die wichtigsten zwei der insgesamt zehn Ziele für StadtentwicklungBis 2030 soll es für alle Menschen Zugang zu angemessenen Wohnungen oder verbesserten Elendsvierteln geben sowie Zugang zu Grün- und Parkanlagen für alle, insbesondere für Kinder und Frauen.

12. Konsumverhalten

Die aktuelle Lage bei Wasser, Energie und Ernährung: Jedes Jahr wird ein Drittel der weltweit hergestellten Lebensmittel weggeworfen oder vergammelt auf dem Transport oder beim Konsumenten zu Hause. Wenn die Menschen weltweit ihre Glühbirnen auf Energiesparlampen umstellen würden, könnten Energiekosten von über 107 Milliarden Euro eingespart werden. Sobald die Bevölkerung auf 9,6 Milliarden Menschen wächst, müssten weltweit drei Bäume pro Person gepflanzt werden, um die benötigten Ressourcen zu garantieren.

Wichtigstes der insgesamt elf Ziele für KonsumbedingungenBis 2030 soll sich die Wegwerfmentalität durch Prävention, Recycling, Reduzierung und Erneuerung maßgeblich verändert haben.

13. Klimawandel

Die aktuelle Lage: Von 1880 bis 2012 hat sich die globale Temperatur um 0,85 Grad Celsius erhöht. Von 1901 bis 2010 ist der Meeresspiegel durchschnittlich um 19 Zentimeter gestiegen. Das Eis in der Arktis ist seit 1979 um 1,07 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen – pro Jahrzehnt. Es wird weltweit 50 Prozent mehr Kohlendioxid ausgestoßen als noch 1990.

Wichtigstes der insgesamt fünf Ziele gegen den KlimawandelKlimaziele sollen in nationale Politik und Gesetze als fester und verbindlicher Bestandteil integriert werden.

14. Artenvielfalt der Ozeane

Die aktuelle Lage: Drei Viertel der Erde sind von den Weltmeeren bedeckt, die 97 Prozent des Wassers ausmachen. Über drei Milliarden Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt dank der Artenvielfalt der Meere und der Küsten. 200 Millionen Menschen leben weltweit von der Fischerei. Bisher wurden 200.000 Tierarten entdeckt, es wird jedoch vermutet, dass es bis zu eine Million Arten sein könnten.

Wichtigstes der insgesamt zehn Ziele für die MeeresrettungBis 2020 die Jagd und die Überfischung regulieren, illegale und zerstörerische Fischerei stoppen und wissenschaftliche Pläne ausarbeiten, die den Erhalt der Arten sowie die maximale Nachhaltigkeit garantieren.

15. Artenvielfalt an Land

Die aktuelle Lage der Wälder, Wüsten und Artenvielfalt: 80 Prozent aller Tiere, Pflanzen und Insekten leben in Wäldern. Über 2,6 Milliarden Menschen sind von Landwirtschaft abhängig, aber nur 52 Prozent der Ländereien können dafür genutzt werden, der Rest mangels Bodenverschmutzungen nicht. Von über 8300 entdeckten Tierarten sind 22 Prozent vom Aussterben bedroht.

Wichtigstes der insgesamt zwölf Ziele für den ArtenerhaltBis 2020 den Umweltschutz, die Sanierung und den Erhalt der Ökosysteme sicherstellen sowie insbesondere Wälder, Wüsten, Dschungel und Berge mit internationalen Abkommen schützen.

16. Gesellschaftlicher Frieden

Die aktuelle Lage: Justiz- und Polizeibehörden sind die am meisten von Korruptionbetroffenen Einrichtungen. Durch Steuerhinterziehung und Betrug gehen weltweit rund eine Billiarde Euro verloren – exakt die Summe, von der die Menschen leben könnten, die nun mit rund einem Euro pro Tag auskommen müssen.

Die wichtigsten drei der insgesamt zwölf Ziele für die Gesellschaft: Eine maßgebliche Reduzierung aller Arten von Gewalt und der damit zusammenhängenden Toten weltweit. Ein Ende von Missbrauch, Ausbeutung, sexuellem Missbrauch, Gewalt gegen und an Kindern. Bis 2030 ein Ende der Korruption und Bestechung weltweit.

17. Zusammenhalt

Die aktuelle Lage in Finanzsektor, Datentechnologie, Handel und Wirtschaftspartnerschaften: Die globale Entwicklungshilfe lag 2014 bei 120,7 Milliarden Euro – ein Rekordbudget bisher. 79 Prozent der Exporte aus Entwicklungsländern werden zollfrei in anderen Entwicklungsländern eingeführt. Die Anzahl der Internetnutzer hat sich in Afrika innerhalb der vergangenen vier Jahre beinahe verdoppelt. 30 Prozent der Jugendlichen weltweit sind Digital Natives und mindestens seit fünf Jahren online. Aber mehr als vier Milliarden Menschen nutzen das Internet noch nicht – 90 Prozent davon leben in Entwicklungsländern.

Die wichtigsten drei von insgesamt 19 Zielen für ZusammenhaltMehr Austausch zwischen den Ländern über Wissenschaft, Technologien und Neuerungen durch die bestehenden Mechanismen – besonders via Vereinte Nationen – und durch globale, technische Mechanismen. Respekt unter den Nationen und ein gemeinsames Vorgehen gegen Armut und für nachhaltige Entwicklung. Ermutigung und Förderung öffentlicher, öffentlich-privater und zivilrechtlicher Partnerschaften, die auf der Erfahrung und auf einer strategischen und nachhaltigen Basis aufbauen.

Die 17 Ziele wurden am 1. Januar 2016 geltend gemacht. Ihre Umsetzung ist freiwillig, und jeder Staat entscheidet selbst, mit welchen Maßnahmen er die Ziele erreichen will.«1

Solange global keine verbindlichen Verträge hinsichtlich der »Sustainable Development Goals (SDG)« unterschrieben werden und lediglich ein Lippenbekenntnis bleiben, solange werden diese ambitionierten Ziele auch nicht erreicht werden, da alle 206 Staaten am derzeit herrschenden System, dem Kapitalismus, scheitern werden. Es bedarf hier einer globalen Kooperation in den wesentlichen Themenfeldern, damit man tatsächlich eine Chance hat, die beschriebenen Ziele zu erreichen. Wie die globale Kooperation von Staaten gehen müsste, wird später im Hebelregister beschrieben.

Quellenangabe:

1 https://www.welt.de/politik/ausland/article146885469/Die-17-UN-Ziele-fuer-eine-bessere-Welt-kurz-erklaert.html