Ursachen für den globalen Ist – Zustand?

1) Vermögensverteilung – Schere zwischen arm und reich vergrößert sich systematisch

Die Ursachen sind vielfältig, wesentlich ist aber, dass das globale System in Summe einer kleinen Elite in die Hände spielt und so z.B. alle 2 Tage im Jahr 2017 einen neuen Milliardär hervorbrachte und somit sich die finanziellen Mittel immer mehr, bei wenigen begünstigten konzentriert.

Gründe warum die Schere zwischen Arm und Reich nicht kleiner wird:

a) Globales Steuersystem begünstigt Milliardäre und Millionäre: Steuerflucht, Steueroasen, Steuervermeidung, keine relevante Erbschaftssteuer, keine Reichensteuer um den Reichtum zu begrenzen, etc.

b) Großteil der Bevölkerung kann keinen Reichtum anhäufen: Die meisten Menschen können kaum die monatlichen Ausgaben decken. Mehr als 1 Milliarde Menschen müssen am Tag mit weniger als 1 Dollar haushalten. Weitere 2,7 Milliarden leben mit weniger als 2 Dollar am Tag. Solange man global keine vernünftigen Stundenlöhne zahlt, wird sich an den Reichtum Verhältnissen bestimmt nichts ändern.

c) Normalbürger profitieren nicht vom Geldsystem: Die erste Million ist schwer, ab dann geht es leichter. Das Zinseszins System, Aktien, Immobilien, etc. arbeiten erst für das einzelne Individuum ab 500.00 Euro Privatvermögen.

Beispiel: 1 Million Privatvermögen / 5% Rendite durch verschiedene Anlagen

Profit pro Jahr: 50.000 Euro minus 25% Kapitalertragssteuern = 12.500

Ertrag: 37.500 dividiert durch 12 Monate = 3.125 Euro pro Monat zu leben, ohne dass das Vermögen schrumpft.

Legt man sein Geld etwas Risiko freudiger an, ist eine Rendite pro Jahr von 10% nicht unrealistisch, wodurch man dann gleich mal 6.250 Euro im Monat zur Verfügung hat.

Hat jetzt jemand 10 Millionen Euro Privatvermögen und hat eine jährliche Rendite zwischen 5 und 10% erhält er im Monat zwischen. 31.250 und 62.500 Euro im Monat, ohne dass sein Vermögen schrumpft.

»Zusammengenommen gibt es weltweit ca. 30 Millionen Menschen, die über ein Vermögen von mehr als 1 Million US-Dollar verfügen.«1

Im Jahr 2018 leben in etwa 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, was umgerechnet bedeutet, dass vom aktuellen Geldsystem ohne in einem Hamsterrad auf immer gefangen zu sein, in etwa nur 0,4% der gesamten Weltbevölkerung profitieren, was logischerweise bedeutet, dass 99% der weltweiten Bevölkerung dieses System am Leben halten.

Der Zins – Ein Fehler im Geldsystem?

»Um die Unzulänglichkeiten des herrschenden Geldsystems durchschauen zu können, muss man verstehen, dass es einen essentiellen Konstruktionsfehler enthält. Er sorgt dafür, dass die Rückzahlung von Schulden im Gesamtsystem – schon rein technisch-mathematisch – gar nicht funktionieren kann! Genauer gesagt stimmt etwas bei der Kreditvergabe (das beginnt bereits bei der Kreditaufnahme der Geschäftsbanken bei der Zentralbank) nicht.

Der Zins wird nicht mitgeschaffen!

Am einfachsten kann dies anhand des Beispiels eines einzigen Kunden und einer einzigen Bank beschrieben werden. Leiht sich Kunde A von der Bank B beispielsweise 1000 Euro, muss er bei 5% Zinsen am Ende 1050 Euro zurückzahlen. Hierin liegt allerdings die Crux, denn woher nimmt Kunde A die fehlenden 50 Euro? Er muss sie sich – existierten wirklich nur diese beiden Teilnehmer – erneut bei der Bank leihen! Gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Das Geldmengenwachstum durch Zins ist zunächst stetig und linear, wenn sich der Zins im Folgejahr nicht wieder mit verzinst:

Der Zinseffekt

[…] Wenn man 100 Euro eingelegt hat und den Zins immer wieder abhebt, dann hat man nach einer Periode 105 Euro, nach 2 Perioden 105 Euro (+ 5 Euro die man abgehoben hat), 105 Euro (+ 10 Euro die man abgehoben hat) nach 3 Perioden usw. […]

Der Zinseszins-Effekt

Der Zins hat aber eine ganz besondere Eigenschaft. Er akkumuliert sich über den Zinseszins-Mechanismus immer schneller zu enormen Summen. Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Es beschreibt die Verzinsung einer bereits durch Zins gewachsenen Geldgröße. Nehmen wir erneut das Beispiel eines Kredits der nicht getilgt wird – und zwar auch nicht der Zins! In diesem Fall schuldet man der Bank wie im ersten Besipiel nach einer Periode 105 Euro. In der zweiten Periode werden jetzt jedoch 5% Zinsen auf den neuen Schuldenstand kalkuliert, also 5% von 105 Euro = 5,25 Euro. Es sind also nicht nur 5 % auf das geliehene Geld dazu gekommen, sondern auch 5% auf die Zinsen. Das macht für die zweite Periode 110,25. Für die dritte Periode 115,7625, usw. […]

Der Zinseszins in Zahlen

Starte am besten damit, in der Zinseszinstabelle den Zinssatz zu variieren. Du wirst schnell bemerken, dass sogar die zweite Stelle nach dem Komma noch eine immens wichtige Rolle spielt! Zu Beginn scheint es sich tatsächlich nur um sehr kleine Beträge zu handeln, die sich erneut verzinst haben. Im Zeitverlauf wird die Differenz zu einem linear verlaufenden Graphen aber immer deutlicher: So steigt der Zins nach 10 Perioden bereits auf 62,8895 Euro und nach 20 Perioden auf 265,3298 Euro. Du hättest also insgesamt einen Zusatzgewinn von mehr als dem doppelten deines ursprünglichen Einsatzes generiert. Nimmst du nun 1 Million Euro als zu verzinsende Summe an, dann hätte sich der Schulden- oder Guthabenszins nach 10 Perioden auf bereits 620 886 Euro akkumuliert.

Der Zinseszins-Mechanismus bedeutet einfach ausgedrückt, dass sich ein Betrag in bestimmten zeitlichen Perioden verdoppelt. Am Ende ist der absolute Anstieg so stark, dass er den ursprünglichen Nominalbetrag übersteigt.

Kombiniert man nun das normale Wachstum einer Volkswirtschaft und das exponentielle Wachstum der Guthaben und Schulden, dann lässt sich leicht erkennen, dass ein Land seine Zinsschulden nur bis zu einem bestimmten Punkt ohne größere Verluste begleichen kann.

Das bedeutet im selben Atemzug, dass das Wirtschaftswachstum (das eben nicht exponentiell verläuft) auf lange Sicht nicht mit dem exponentiellen Wachstum der Schulden und Kredite mithalten kann.

Vergleich: Zins und Zinseszins-Effekt

In diesem Zusammenhang wird auch die Bedeutung des Zinses im Hinblick auf die Vermögensverteilung innerhalb einer Volkswirtschaft deutlich.

Während der Zins nämlich des einen finanzieller Fluch, ist er des anderen finanzieller Segen. Wer ihn zu  seinem Vorteil nutzt und damit seinen Vermögensaufbau betreibt, steht auf der finanziellen Sonnenseite des Lebens. Wer sich jedoch verschuldet, kann schnell in die Schuldenfalle gesogen werden. Das exponentielle Wachstum der Vermögen auf der einen Seite muss also auf der Gegenseite exponentiell wachsendene Schulden (und damit auch die Zinslasten) hervortreiben. Diese müssen immer zusätzlich – von uns als Hamstern – erarbeitet werden.

Es wird also deutlich, dass in der Akkumulation des Zinses zum Zinseszins die Hauptursache, der sich beschleunigenden, auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich liegt! […]

Versteckte Zinsen in Produkten und Dienstleistungen

Interessant sind in diesem Zusammenhang auf auch die eingepreisten Zinsabgaben in Produkten und Dienstleistungen. Diejenigen die sich über Ihre Zinserträge (auf dem Sparbuch, Tagesgeldkonto, Aktien etc.) freuen, übersehen die in den Preisen versteckten Zinsabgaben völlig. Diese Abgaben liegen aber im Durchschnitt bei 35 Prozent!

Das wusstest du bestimmt nicht!

Etwa ein Drittel des Produktpreises besteht also aus diesen sogenannten Kapitalansprüchen! Das heißt, dass jeder dritte Euro den du beim Einkaufen ausgibst, direkt oder indirekt in Zinsen fließt! Damit gehört die Mehrheit der Menschen ganz eindeutig zu den Verlierern des Systems! Sogar jene, die vermeintlich glauben zu den Gewinnern zu gehören!

Erst ab einem Anlagevermögen von ca. 500.000 Euro beginnt sich das Blatt zu wenden. Dann übersteigen die jährlichen Zinseinnahmen langsam die direkten als auch indirekten (versteckten) Zinsausgaben! Zu diesen Glücklichen zählt jedoch weniger als 1 Prozent der Bevölkerung. Der große Rest muss diese Zinsabgaben, direkt oder indirekt, ebenso leisten – ohne Zinseinnahmen auf der anderen Seite. Jährlich findet so allein in Deutschland eine zinsbedingte Umverteilung von “Arm auf Reich” von mehr als 400 Milliarden Euro statt. Leider gibt es hierzu keine globalen Zahlen.

Zinsen und Staatsschulden

Interessant ist auch der Zusammenhang von Zinsen und Staatsschulden. Denn was du immer bedenken solltest ist, dass der Staat du bist! Je höher also die Staatsschulden, umso mehr ist jeder einzelne direkt bzw. indirekt verschuldet.

Da es für Regierungen keinen Sinn macht Schulden zurückzuzahlen, werden froh und fröhlich immer weiter neue Schulden aufgenommen. Somit fließen auch immer mehr Steuereinnahmen in die Bedienung dieser Staatsschulden. An dieser Stelle aber aufgepasst! Es geht um die Bedienung, nicht um die Tilgung! Einen Kredit bedienen bedeutet lediglich den Zins regelmäßig zu bezahlen. Das ist im Wesentlichen das, worauf die Bank wert legt. Schließlich ist der Tilgungsbetrag in der Regel durch Sicherheiten abgedeckt und somit abgesichert.

Für Staaten heißt das, dass schon lange nichts mehr getilgt wird! Jeder zehnte bis jeder fünfte Euro an Steuereinnahmen wird hierzulande für Zinsen der Schulden des Staates (das sind wir Hamster) ausgegeben. Diese Entwicklung ist schlicht unaufhaltbar. Würde man nämlich aufhören die Zinsen zu bedienen käme es zum Staatsbankrott.

Fazit

Zins und Zinseszins sind Mechanismen, die unmittelbar aneinander gekoppelt sind. Sie führen zum einen zu großen finanziellem Wohlstand und zwingen auf der anderen Seite Menschen in die Schuldenfalle. Dies sind Aspekte, die kaum jemand weiß und noch weniger Menschen wahrhaben wollen!«2

Lösungsvorschlag: Natürlich sollen reiche Menschen weiterhin die Möglichkeit haben, ihr Geld gewinnbringend zu investieren und somit ihr Vermögen zu mehren, solange entsprechende Abgaben an das Gemeinwohl stattfinden. Nähere Details S. …, Hebel 5 / Regulierung des globalen Steuersystems.

d) Nike hat Millionen von Kunden, der einzelne Mitarbeiter aber nicht: Demjenigen, dem die Firma Nike gehört bzw. der wesentliche Aktienanteile daran hält, profitiert von jedem Kunden, der bei Nike einkauft. Der einzelne Mitarbeiter, der z.B. die Schuhe herstellt, vermarktet oder verkauft, bekommt ein möglichst geringes Gehalt und profitiert mit null Euro bei jedem verkauften Schuh.

Um hier langfristig die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, wären erstens anständige Gehälter nötig und langfristig wäre es angebracht, Mitarbeiter, die viele Jahre im Unternehmen sind, jährlich mit Aktienanteilen des Unternehmens zusätzlich zu bezahlen.

Abschließend: Man könnte hier noch eine Vielzahl an Beispielen anführen. Wesentlich ist, dass es systemisch vorprogrammiert ist, dass es eine kleine globale Elite von reichen Menschen gibt und die meisten Menschen von diesem System nie profitieren werden.

2) Hunger – Es gibt in der Welt viele Gründe für Hunger und häufig hängen sie eng miteinander zusammen

»– Armut: Wenn Menschen in Armut leben, können sie sich oft kein nahrhaftes Essen für ihre Familien leisten. Darum sind sie häufig körperlich schwächer und weniger gut in der Lage, ausreichend Geld zu verdienen, um wiederum Armut und Hunger zu entfliehen. Wenn Kinder chronisch mangelernährt sind, kann das ihr zukünftiges Einkommen beeinflussen und sie zu einem Leben in Armut und Hunger verdammen. In Entwicklungsländern fehlt Kleinbauern häufig das Geld für Saatgut, sodass sie die Nahrungsmittel, die ihre Familie ernähren würden, nicht anbauen können. Auch haben sie nicht immer ausreichend Werkzeuge und Dünger, die sie zum Anbau brauchen. Andere haben kein Land, Wasser oder Bildung. Kurzum: Viele arme Menschen hungern und ihr Hunger hält sie in der Armutsfalle gefangen.

– Klima und Wetter: Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Tropenstürme und lange Dürreperioden nehmen immer mehr zu – mit verheerenden Folgen für die arme und hungernde Bevölkerung in Entwicklungsländern. So führten wiederkehrende Dürren 2011 zu Missernten in Teilen von Äthiopien, Somalia und Kenia und 2012 in der Sahelregion in Westafrika. Viele Bauern verloren ihre Herden, Millionen waren von Hunger bedroht. In vielen Ländern verschlimmert der Klimawandel die ohnehin bereits ungünstigen klimatischen Verhältnisse. Immer mehr fruchtbares Ackerland ist durch Erosion, Versalzung und Wüstenbildung bedroht. Waldrodungen von Menschenhand beschleunigen den Verlust von Ackerflächen, die für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten.

– Krieg und Verreibung: Auf der ganzen Welt beeinträchtigen gewaltsame Konflikte dauerhaft die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion, da Handelswege gestört werden und es für Bauern ist oft zu gefährlich ist, ihre Felder zu bestellen. Kämpfe zwingen darüber hinaus Millionen von Menschen, ihre Heimat zu verlassen, was zu Hungerkrisen führt, weil die Vertriebenen nicht die Möglichkeit haben, sich selbst zu ernähren. Der Konflikt in und um Syrien ist ein aktuelles Beispiel.

– Instabile Märkte: In den vergangenen Jahren waren die Nahrungsmittelpreise überaus instabil. Schwankende Preise machen es für die ärmsten Teile der Bevölkerung sehr schwer, dauerhaft Zugang zu nahrhaftem Essen zu haben. Preisspitzen können dazu führen, dass eine ausgewogene Ernährung zeitweise unbezahlbar ist, wodurch vor allem kleine Kinder bleibende Schäden davontragen. Wenn die Preise steigen, kaufen Verbraucher häufig günstigere aber auch weniger nahrhafte Nahrungsmittel, was das Risiko von Mikronährstoffmangel und anderen Formen von Mangelernährung erhöht.

– Fehlende Investitionen in die Landwirtschaft: In zu vielen Entwicklungsländern ist die landwirtschaftliche Infrastruktur wie Straßen, Lagerhäuser und Bewässerungssysteme nur unzureichend. Die Folge sind hohe Transportkosten, unzuverlässige Wasserversorgung und fehlende Lagermöglichkeiten für die Ernten. Dadurch werden die Erträge knapper und der Zugang zu Nahrungsmitteln schlechter. Investitionen in bessere Bodenbewirtschaftung, effizienteren Umgang mit Wasser und resistenteres Saatgut können eine große Wirkung erzielen: Untersuchungen der UN-Welternährungsorganisation FAO zeigen, dass Investitionen in die Landwirtschaft für die Reduzierung von Armut und Hunger fünfmal effizienter sind als Maßnahmen in jedem anderen Sektor.

– Nahrungsmittelverschwendung: Ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel (1,3 Milliarden Tonnen) wird nicht verzehrt. Diese Verschwendung ist eine vertane Chance, die Ernährungssicherheit in einer Welt zu verbessern, in der jeder Neunte hungert. Um diese Nahrungsmittel zu produzieren, werden kostbare natürliche Ressourcen verbraucht: Jedes Jahr schlucken Nahrungsmittel, die produziert aber nicht gegessen werden, so viel Wasser, wie jährlich den russischen Fluss Wolga herunterfließt. Darüber hinaus werden durch die Produktion 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre ausgestoßen –​ mit verheerenden Folgen für das Klima und somit letzten Endes auch die Nahrungsmittelproduktion.«3

3) Wasser – Die Süßwasserressourcen reichen bei anhaltender Nutzung nicht aus

»– Übernutzung der Wasserressourcen: Wasser füllt Ozeane, Seen, Flüsse aber auch Swimmingpools, Bewässerungsanlagen für Golfplätze; Wasser wird für die Bewässerung von Erdbeeren in Südspanien verwendet. Die Übernutzung der Wasserressourcen ist mit Abstand die größte Gefahr für die weltweite Wasserversorgung und die treibende Kraft der globalen Wasserkrise. Ähnlich wie beim Peak-Öl haben wir nach Meinung von Peter Gleick, dem Präsidenten des renommierten Pacific Institute in den USA, die Situation des Peak-Wassers erreicht. Der Natur wird also mehr Wasser entnommen, als sie wieder bereitstellen kann und das natürliche Wiederaufbereitungssystem an seine Grenzen gebracht (mehr dazu in dem kürzlich erschienen Report “The World’s Water” des Pacific Insitute. Ein Interview mit Peter Gleick über die Wassersituation gibt es hier zu sehen.

– Bevölkerungswachstum: Faktoren wie das stetig steigende Bevölkerungswachstum sind Trends, die den Wasserkonsum nach oben treiben. Um rund 80 Millionen Menschen wächst die Weltbevölkerung laut Schätzungen der Vereinten Nationen jährlich und mit diesen Menschen der Durst (die UNESCO geht von einer zusätzlichen Wassernachfrage von 64 Milliarden m3 pro Jahr aus). Laut UNEP wird alleine Indien aufgrund seines Bevölkerungswachstums im Jahr 2050 rund 30 % mehr Wasser benötigen als heute. Insgesamt ist der Wasserverbrauch nach Berechnungen der FAO zweimal so stark gestiegen, wie die Bevölkerung gewachsen ist. Mit dem Bevölkerungswachstum steigen aber vor allem der Bedarf an Nahrungsmitteln und damit auch der Bedarf an Wasser. Die Landwirtschaft ist nach Angaben des World Water Assessment Programme (WWAP) mit einem Verbrauch von bis zu 75% der Wasservorräte mit Abstand weltweiter Spitzenreiter im Wasserverbrauch. Die „Produktion“ von Fleisch gehört mit 16.000 Litern pro Kilo zu den wasserintensivsten Produkten. (20%t des Wasserverbrauchs entfällt auf den gewerblichen und den industriellen Bereich. Der Rest von ca. 5% des Wasserverbrauchs entfällt auf die privaten Haushalte.)

– Die globale Erwärmung: Die globale Erwärmung wirkt sich auf den Wasserkreislauf aus. Sie lässt nicht nur die Regenzeit in manchen Regionen ungewöhnlich stark ausfallen, sondern auch die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden. Experten rechnen mit bis zu 30 % weniger Regen in ohnehin schon trockenen Regionen wie Südafrika oder Teilen von Brasilien. Zunehmende Ernteausfälle sind die Folge. 24 bis 700 Millionen Menschen werden in Zukunft zu Flüchtlingen aufgrund von Wasserarmut (umgekehrt werden 47% der Weltbevölkerung in Regionen mit Hochwasserproblemen leben). Laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change hat sich der Anteil der Regionen, der als „sehr trocken“ klassifiziert wird, seit den 70`er Jahren mehr als verdoppelt.

– Wasserverschmutzung: Die globale Wasserkrise ist nach Meinung von Experten vor allem eine Abwasserkrise. Eines der größten Probleme ergebe sich danach aus der Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen. Das führe zu Umweltschäden, die irreversibel sind und die ohnehin schon knapper werdenden Trinkwasservorräte dezimieren. Im Norden Chinas wurden durch jahrzehntelanges unkontrolliertes industrielles Wachstum die Flüssen und Seen derart verschmutzt, dass heute über 200 Millionen Chinesen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser leben. Laut Angaben der chinesischen Regierung und der Weltbank sind mehr als 54 % des Wassers in den großen chinesischen Flüssen kontaminiert. Über 90 % des Abwassers und 70 % des Industrieabfalls in Entwicklungsländern werden direkt in Gewässer geleitet und kontaminieren die Trinkwasserreservoirs. Aber auch ins Mittelmeer, eines der am stärksten belasteten Meere weltweit, fließen jährlich zwei Millionen Tonnen Öl, 800.000 Tonnen Nitrate und 60.000 Tonnen Waschmittel (mehr dazu beim Institut für Verfahrenstechnik, Universität Bremen)«4

4) Wohnen – Wohnen wird immer teurer

»– Unerschwingliche Wohnungen: In vielen Ländern steigen die Preise von Eigenheimen rascher als die Einkommen – in Neuseeland seit 2010 um 35 Prozent, in Österreich um rund 28 Prozent, in Großbritannien um 15 und in Australien um fast 10 Prozent.

Für die Mehrheit der weltweiten Stadtbevölkerung (in Städten mit mehr als 100.000 EinwohnerInnen) beträgt der Median der Eigenheimpreise das Fünffache ihres jährlichen Brutto-Haushaltseinkommens. (Der Median oder Zentralwert teilt eine Liste von Werten in zwei gleich große Hälften, deren Werte jeweils über bzw. unter dem Median liegen; Anm. d. Red.)

  • – Als erschwinglich gilt Wohnungseigentum jedoch nur, wenn der Median das Einkommen um höchstens das Dreifache übersteigt. Nur in 13 Prozent der Städte gibt es Wohnungen, die als erschwinglich 
  • – Zwischen 2002 und 2012 kostete ein typisches Eigenheim in London das Siebenfache eines durchschnittlichen Jahresgehalts. Heute liegt der Preis beim Zwölffachen.
  • – In Kanada müssen 20 Prozent aller MieterInnen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für ihre Wohnung bezahlen.
  • – In den USA muss jede vierte Familie mehr als 70 Prozent ihres Einkommens allein für die Wohnung ausgeben (Miete, Strom, Heizung etc.).
  • – Im australischen Bundesstaat Victoria warten 33.000 Personen auf die Zuteilung einer Sozialwohnung. Nur jede hundertste private Mietwohnung in Melbourne und Umgebung wird zu einem Preis angeboten, den sich Alleinerziehende mit geringem Einkommen leisten können.«5

5) Gewalt, Katastrophen & Entwicklung

»2015 wurden 27,8 Millionen Menschen in 127 Ländern aufgrund von Konflikten, Gewalt und Katastrophen zu Vertriebenen.

75 Prozent der Binnenvertriebenen weltweit – 30 Millionen Menschen – leben in nur zehn Ländern, darunter Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Irak, Sudan und Südsudan.

2015 wurden 19,2 Millionen Menschen in 113 Ländern von Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen. In den vergangenen acht Jahren waren es 203,4 Millionen.

Seit Mitte der 2000er Jahre wurden 15 Millionen Menschen durch Entwicklungsvorhaben wie Staudämme, Sanierungsprojekte in Städten und internationale Sportveranstaltungen gezwungen, ihre Häuser bzw. Unterkünfte aufzugeben.«6

6) Schulbildung – Die finanziellen Mittel fehlen noch immer:

»Die Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie werden bereits in der frühen Kindheit gelegt. Doch bisher haben nur 17 Prozent der Länder weltweit ein Jahr verpflichtende und kostenfreie frühkindliche Bildung eingeführt. Erhebungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zeigen, dass zwischen 2010 und 2015 die Chancen, eine frühkindliche Bildungseinrichtung zu besuchen, von drei- bis vierjährigen Kindern der Reichsten fünfmal so hoch waren wie die der Ärmsten.

In nur 66 Prozent der Länder weltweit wurde Geschlechtergerechtigkeit in der Grundschulbildung erreicht. Noch geringer sind die Erfolge in der Sekundarschulbildung: Geschlechtergerechtigkeit wurde im Bereich der unteren Sekundarschulbildung in lediglich 45 Prozent der Länder und in der oberen Sekundarschulbildung in 25 Prozent der Länder weltweit durchgesetzt.

39 Milliarden US-Dollar fehlen in der Bildung weltweit

Jährlich fehlen 39 Milliarden US-Dollar für eine hochwertige und chancengerechte Bildung weltweit. Im Durchschnitt gaben Länder 4,7 Prozent ihres Bruttoinlandproduktes oder 14,1 Prozent der öffentlichen Mittel für die Bildung aus. Der Bildungsanteil der weltweiten Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit fiel über sechs Jahre in Folge von 10 Prozent im Jahr 2009 auf 6,9 Prozent im Jahr 2015.«7

7) Krankheiten – Grundbedürfnisse sind nicht gedeckt:

Das Thema Krankheiten ist ein riesiger Themenbereich, im Wesentlichen werden Menschen aber krank, wenn Ihre Grundbedürfnisse nicht abgedeckt sind: Zugang zu sauberen Wasser + Zugang zu ausreichend Essen + Zugang zu Wohnraum + Globales Arbeitslosengeld bzw. Bedingungsloses Grundeinkommen + Verpflichtendes globales Rentensystem + Globale Basis Gesundheitsvorsorge + Globale verpflichtende Schulbildung.

Oder wenn Menschen im Überfluss leben und der jeweilige Staat die Bevölkerung nicht entsprechend über eine gesunde Lebensweise aufklärt und diese entsprechend befördert.

Bsp – Übergewicht: »Die Welt wird immer dicker. 2,2 Milliarden Menschen, so schätzt das Institute for Health Metrics and Evaluation aus Seattle (IHME), waren 2015 übergewichtig oder sogar fettleibig. Damit habe sich der Prozentsatz adipöser Menschen von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt, berichten Forscher im New England Journal of Medicine (The GBD 2015 Obesity Collaborators, 2017).«8

8) Flucht – Krieg, Armut, Diskriminierung, etc.:

»Geflüchtete Menschen verlassen ihr Zuhause meist nicht freiwillig. Flucht hat etwas mit äußeren Zwängen zu tun. Es gibt viele Gründe, die Menschen zu dieser Entscheidung nötigen: Krieg, Diskriminierung, Verfolgung, Armut und Umweltkatastrophen. In vielen Fällen ist es eine Mischung aus mehreren Gründen, die Menschen dazu bringt, ihr Herkunftsland zu verlassen.[7]«9

9) Kriege – Wesentlichen Ursachen:

»Ursachen für Kriege zwischen Staaten:

1) Territorialansprüche
Konkurrenz um Grenzen und Gebiete

2) Herrschaftsinteressen
Durchsetzung politischer und ökonomischer Interessen durch Eliten

3) Fehlerwahrnehmung
Falsche Beurteilung der Stärke und Absichten anderer Staaten

4) Herrschaftssicherung
Furcht vor einer Bedrohung von außen

5) Ablenkung
Ablenkung von Konflikten innerhalb eines Staates

6) Machtkonkurrenz
Kampf um Vormachtstellungen in der Region

7) Rohstoffbedarf
Konkurrenz um Ressourcen

Ursachen für Kriege innerhalb von Staaten:

1) Interner Kolonialismus
Ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrückung von Bevölkerungsgruppen und Regionen

2) Sozio-ökonomische Heterogenität
Auf krasser sozialer Ungerechtigkeit beruhende Gesellschaftssysteme

3) Ethnisch-kulturelle Heterogenität
Kein Interessensausgleich angesichts unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die keine „einheitliche Nation“ bilden«10

Wesentlich: Ein Kind ist ein ungeformter Geist. Die individuellen Rahmenbedingungen des jeweiligen Staates und die individuelle Erziehung durch die Eltern, Familie und die Schule schaffen den Grundstein dafür, ob man letztendlich dann einen Erwachsenen vor sich hat, der bereit dafür ist andere zu töten.

10) Demokratie – Ursprung der heutigen Demokratie Krise?:

»Sinkende Wahlbeteiligung, Vertrauensverlust in die politischen Institutionen und ihre EntscheidungsträgerInnen sowie Politikmüdigkeit beschreiben den derzeitigen Zustand der repräsentativen Demokratie. Stattdessen wird immer häufiger ein Ausbau direkter Demokratie als Antwort auf den krisenhaften Zustand westlicher Demokratie diskutiert. […]

Krisendiagnosen westlicher Demokratien

Es wird in der öffentlichen Debatte immer häufiger von einer „Krise der Demokratie“ gesprochen. Colin Crouchs polemischer Begriff der „Postdemokratie“ entspricht dieser Krisenrhetorik. Laut dem britischen Politikwissenschafter existieren die repräsentativen Institutionen nur noch als eine Art “leere Hülle”. Politik wird stattdessen von einer kleinen privilegierten Elite gelenkt, während die Mehrheit der BürgerInnen lediglich eine „passive, schweigende ja sogar apathische Rolle“ spielt (Crouch 2008: 10).

Die von Crouch zugespitzten Krisendiagnosen der westlichen Demokratien sind auch Gegenstand anderer wissenschaftlicher Arbeiten (Vgl. Linden 2011). Da wäre zum einen das Problem der abnehmenden politischen Relevanz und Legitimität von Demokratie. Im Kontext von Globalisierung und Europäisierung werden politische Entscheidungen zunehmend von wirtschaftlichen AkteurInnen oder supranationalen Organisationen beeinflusst. Gleichzeitig werden Demokratien mit den mächtiger werdenden Massenmedien konfrontiert, die mehr und mehr die Politik bestimmen (Siehe: Medien und Demokratie). Auch die europäische Integration hat die Komplexität politischer Entscheidungskompetenzen verstärkt. Politische Entscheidungen werden nicht mehr von den im nationalstaatlichen Rahmen gewählten und kontrollierten RepräsentantInnen getroffen, sondern von externen AkteurInnen, über die die WählerInnen keine Kontrolle mehr haben. Dadurch ist die Legitimation der RepräsentantInnen gegenüber den Repräsentierten nicht mehr gegeben. Dieser Souveränitäts- und Legitmationsverlust führt folglich zu einem schwindenden Vertrauen in die politischen Institutionen und Politikverdrossenheit in der Bevölkerung. Dies zeigt sich nicht nur im Rückgang der Wahlbeteiligung, sondern in einem allgemeinen Mangel an konventioneller politischer Partizipation, die sich auch am Desinteresse der BürgerInnen für eine Karriere am öffentlichen Dienst oder Mitgliedschaft in den Parteien ausdrückt.

Colin Crouchs Begriff der Postdemokratie unterschätzt nach dem Politikwissenschafter Wolfgang Merkel allerdings die Reform- und Anpassungsfähigkeit der Demokratie, die sich als offenen Prozess versteht und daher ständig neuen Herausforderungen unterworfen ist (Merkel 2011: 19). Die repräsentative Demokratie hat eben nicht ihr Ende erreicht, sondern befindet sich stattdessen in einem Formwandel, der sich unter anderem durch geänderte Rahmenbedingungen wie der Verflechtung nationaler und europäischen Ebenen, der Ökonomisierung aller gesellschaftlichen Teilbereiche und den rasanten Entwicklungen im IT-Sektor (z.B. Web 2.0) ausdrückt. Insbesondere durch die Zunahme von Onlineplattformen und Social Media (z.B. Facebook, Twitter) hat sich der Charakter sozialer Bewegungen verändert und es wurden neue Möglichkeiten politischer Partizipation geschaffen (Liebhart 2011: 91f.). Insgesamt haben unkonventionelle Beteiligungsformen von BürgerInnen wie Bürgerinitiativen und Proteste durchaus zugenommen. Doch sind diese Formen gesellschaftlicher Aktivität oft hochgradig selektiv und werden von den besser Ausgebildeten dominiert (Jörke 2011: 15f.). Es sind vor allem die niedrigeren sozialen Schichten, die sich zunehmend aus der demokratischen Beteiligung zurückziehen und von der repräsentativen Demokratie enttäuscht fühlen.«11

11) Überbevölkerung – Viele Milliarden Menschen führen jetzt schon kein gutes Leben

»Die Ursachen des Bevölkerungswachstums in Entwicklungsländern sind vielfältig und in den einzelnen Gesellschaften von unterschiedlicher Relevanz. Bevölkerungswachstum basiert auf einem Ungleichgewicht zwischen Sterblichkeits- und Fruchtbarkeitsrate.38 Im Folgenden sollen durch die Einteilung in gewollte (Wunschkinder) und ungewollte Schwangerschaften die Ursachen des Bevölkerungswachstums genauer untersucht werden.39

a) Gewollte Schwangerschaften (Wunschkinder)

Funktion der Kinder im Sozialsystem: Kinder als Arbeitskräfte, Miternährer der Familie und als „Versorger“ der Eltern bei Krankheit und im Alter. In den meisten Entwicklungsländern gibt es für die armen Familien keine Möglichkeit der privaten Kapitalbildung, um für Krankheitsfälle und andere Notsituationen vorzusorgen. Ein Sozial- und Krankenversicherungssystem ist, wenn überhaupt, nur für „Besserverdienende“ zugänglich.

Kindersterblichkeit führt dazu, dass Eltern versuchen, möglichst viele Nachkommen zu haben, um damit das Überleben einer Mindestzahl zu sichern. So ist es nicht verwunderlich, dass in Regionen mit den höchsten Fruchtbarkeitsraten auch die Kindersterblichkeit am höchsten ist. In Afrika beträgt die Kindersterblichkeit bei Mädchen unter fünf Jahren 138, bei den Jungen 152,40 wobei es auch hier sehr unterschiedliche landesspezifische Werte gibt. Trauriger Spitzenreiter ist hier Liberia, wo jedes dritte Kind seinen fünften Geburtstag nicht mehr erlebt. In diesem Land beträgt die Kindersterblichkeit 334 für Jungen und 330 für Mädchen pro 1000 Lebendgeburten. In Asien ist die Kindersterblichkeit im Vergleich zu Afrika um fast die Hälfte geringer: 75 für Jungen und 80 für Mädchen. In Lateinamerika und der Karibik beträgt die Kindersterblichkeit weniger als ein Drittel (51 für Jungen und 41 für Mädchen) der Kindersterblichkeit auf dem afrikanischen Kontinent. In den Industrieländern sterben von 1000 Lebendgeburten durchschnittlich noch 15 Jungen bzw. 11 Mädchen vor dem Erreichen ihres fünften Geburtstags.

Unterschiedliche religiöse und kulturelle Normen in verschiedenen Gesellschaftsformen: So wird z.B. in Gesellschaften, in denen der Glaube an die Wiedergeburt einen wichtigen Teil ihrer Religion ausmacht, durch die Geburt eines Kindes die Verbindung zwischen Verstorbenen und Gegenwart hergestellt.41 Die individuelle Entscheidung junger Männer und Frauen in Entwicklungsländern über den Heiratszeitpunkt muss sich oft kulturellen Normen und Rollenbildern unterordnen. Das Heiratsalter hat wesentlichen Einfluss auf das Alter der Frau bei ihrer ersten Geburt und somit auf die Gesamtanzahl der Geburten.42

b) Ungewollte Schwangerschaften

Der Zeitpunkt von Schwangerschaften kann von Frauen oft nicht frei und eigenverantwortlich entschieden werden. In dem Weltbevölkerungsbericht von 1997 werden Ergebnisse von Befragungen angeführt, die besagen, dass über 40 % der jährlichen Gesamtzahl von Schwangerschaften ungewollt sind.43 Das Ergebnis sind u.a. 45 Millionen Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr.

Traditionelle Methoden der Familienplanung gehen zurück, und moderne Methoden sind zum Teil noch nicht vorhanden bzw. nicht für alle zugänglich. Trotz zunehmender Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern44 verfügen zwischen 120 und 150 Millionen Frauen immer noch nicht über wirksame Mittel, um die Anzahl ihrer Schwangerschaften zu verringern bzw. die zeitlichen Abstände vergrößern zu können.

Der Zugang zu Bildungseinrichtungen ist für die arme Bevölkerung – insbesondere für Frauen – unzureichend. Die Benachteiligung von Mädchen bei der Bildung wird insbesondere in der hohen Rate von Analphabetinnen deutlich. So können ca. 600 Millionen Frauen auf der Welt weder schreiben noch lesen. Bei den Männern hingegen sind es 320 Millionen.45 Der Zusammenhang zwischen Bildung der Frauen, reproduktivem Verhalten und selbstbestimmtem Leben ist mittlerweile gut dokumentiert.46

Informationsdefizit: Informationen über moderne Verhütungsmethoden sind nur teilweise zugänglich bzw. beruhen auf Gerüchten und Falschmeldungen. Neben der hier vorgenommenen Einteilung in gewollte und ungewollte Schwangerschaften gibt es noch weitere Faktoren, die als Ursachen für ein hohes Bevölkerungswachstum genannt werden können. Dies ist zum einem der hohe Anteil von Jugendlichen an der Bevölkerung, der eine zukünftige hohe Geburtenrate erwarten lässt. Trotz rückgehender Fertilitätsraten leben laut Weltbevölkerungsbericht von 1998 mehr als 1,05 Milliarden junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren auf der Erde. Diese Zahl, die noch nie so hoch war, wird dafür sorgen, dass die Bevölkerungszahl weiter steigen wird. Hinzu kommt, dass auch die Generation der über 60jährigen in den Entwicklungsländern anwachsen wird. Dies stellt die Regierungen in diesen Ländern vor immense Herausforderungen, die sie ohne Hilfe von außen nicht werden bewältigen können.

Ein weiterer wesentlicher Faktor sind die in den einzelnen Ländern vorherrschenden institutionellen Rahmenbedingungen. So können das Verbot von Kinderarbeit und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Kinder den ökonomischen Nutzen einer hohen Kinderzahl für eine Familie erheblich reduzieren. Weiterhin wird in gleichem Maße, wie eine gesicherte Altersversicherung in einem Land existiert, die Funktion der Kinder als Alterssicherung an Bedeutung verlieren.47

Die Ursachenanalyse zeigt, dass eine Wechselwirkung zwischen den einzelnen Faktoren besteht und somit Familienplanung wesentlich effektiver ist, wenn gleichzeitig eine Verbesserung der Lebensverhältnisse eintritt.48 Aus diesem Grunde wird in dem Förderkonzept des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit die Bedeutung der Doppelstrategie im Rahmen der Bevölkerungspolitik betont.

Die Ursachenanalyse macht deutlich wie sehr Armut mit Bevölkerungswachstum verbunden ist: Fehlender Zugang zu Kontrazeptiva, Funktion der Kinder im Sozialsystem, hohe Kindersterblichkeit, mangelnder Zugang zu Bildungseinrichtungen, Informationsdefizite und Rückgang traditioneller Familienplanungsmethoden sind Ursachen, die am stärksten in der armen Bevölkerungsschicht zum Tragen kommen. Der Einfluss sozio-ökonomischer Bedingungen auf die Fruchtbarkeitsrate einer Gesellschaft ist keine neue Erkenntnis.49 Da die Ursachen schon länger bekannt sind und trotzdem ein starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen ist, stellt sich die Frage, ob gegen die Ursachen nicht zielgerichtet gehandelt wurde bzw. mit inadäquaten Mitteln oder ob vielleicht nicht alle Ursachen in Erwägung gezogen wurden. Durch die folgende Wirkungsanalyse werden Selbstverständnis und Machtverhältnisse ersichtlich, die sich hinter internationalen Bevölkerungspolitiken verbergen.«12

Quellenangaben: