Vermögensverteilung – Schere zwischen arm und reich / Oxfam Deutschland / Nachricht / 22.01.2018:

»Jedes Jahr analysiert Oxfam die Statistiken zur weltweiten Vermögensverteilung. […] Der Bericht illustriert, wie sich die Lücke zwischen Arm und Reich weiter vergrößert und wie Konzerne und Superreiche ihre Gewinne erhöhen, indem sie Löhne drücken und Steuern vermeiden – auf Kosten von Arbeiter/innen und Angestellten sowie des Allgemeinwohls: 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums gingen im letzten Jahr an das reichste Prozent der Weltbevölkerung, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung stagnierte. Das reichste Prozent besitzt damit weiterhin mehr Vermögen als der gesamte Rest der Weltbevölkerung.

Vorteile auf Kosten des Gemeinwohls

Ein wichtiger Grund für diese extreme soziale Ungleichheit ist die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen: Das reichste Prozent der Bevölkerung drückt sich durch Steuertricks um Steuerzahlungen von etwa 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Indem sich Konzerne und Superreiche ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, verursachen sie immense Kosten. Entwicklungsländern entgehen durch die Steuervermeidung mindestens 170 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen pro Jahr – mehr als die gesamte weltweite Entwicklungshilfe (145 Milliarden US-Dollar jährlich). Geld, das dringend gebraucht wird, um Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit und Armut zu finanzieren.

»Den Preis der Profite zahlen Milliarden von Menschen weltweit, die zu Löhnen, die nicht zum Leben reichen, schuften müssen und keinen Zugang zum öffentlichen Bildungs- und Gesundheitssystem erhalten.« Jörn Kalinski, Oxfams Kampagnenleiter

Deutlich wird die soziale Ungleichheit auch am extremen Lohngefälle: In nur vier Tagen verdient der Vorstandsvorsitzende von einem der fünf größten Modekonzerne so viel wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben.«1

»Nach Angaben der Weltbank verringerte sich die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf leben, zwischen 1981 und 2012 weltweit um mehr als eine Milliarde – sie sank von 1,98 Milliarden auf 897 Millionen Personen (minus 54,7 Prozent). Der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, an der Gesamtbevölkerung reduzierte sich zwischen 1981 und 2012 von 44,0 auf 12,7 Prozent. Ende 2015 lag der Anteil der Menschen in extremer Armut nach Berechnungen der Weltbank das erste Mal bei weniger als zehn Prozent.

Die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf leben, verringerte sich zwischen 1990 und 2012 von 2,9 auf gut 2,1 Milliarden. Aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums in diesem Zeitraum hat sich der entsprechende Anteil an der Gesamtbevölkerung nahezu halbiert – er fiel von 66 Prozent 1990 auf 35 Prozent 2012.

Allerdings waren die Entwicklungen in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. In der Region Ostasien und Pazifik sank die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, von 1,14 Milliarden 1981 auf 147 Millionen im Jahr 2012. Allein in China reduzierte sich die Zahl der Menschen in extremer Armut zwischen 1981 und 2011 um 753 Millionen. Der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung sank in der Region Ostasien und Pazifik zwischen 1981 und 2012 von 80,6 auf 7,2 Prozent. In Südasien fiel der Anteil von 58,1 auf 18,8 Prozent, in Lateinamerika und Karibik von 19,7 auf 5,6 Prozent. Im subsaharischen Afrika lebten 2012 mehr Menschen in extremer Armut als 1990 (389 gegenüber 288 Mio.). Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in dieser Region reduzierte sich der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung jedoch von 56,8 Prozent 1990 auf 42,7 Prozent 2012.

Von den weltweit 897 Millionen Menschen in extremer Armut im Jahr 2012 lebten gut zwei Fünftel im subsaharischen Afrika (43,4 Prozent). Ein Drittel lebte in Südasien (34,4 Prozent) und ein Sechstel in der Region Ostasien und Pazifik (16,4 Prozent). Die Anteile der Regionen Lateinamerika und Karibik sowie Europa und Zentralasien lagen bei lediglich 3,8 bzw. 1,1 Prozent.«2

2) Hunger – Kleine Fortschritte wurden gemacht, diese reichen aber nicht aus

»815 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen. Die Zahl der Hungernden ist seit 1990 um 216 Millionen zurückgegangen, doch 2017 wieder erstmals angestiegen. Das Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen, den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden, kann jedoch nur mit größten internationalen Anstrengungen erreicht werden.

Vor allem Krisen und Konflikte, Naturkatastrophen und die Folgen des Klimawandels stellen große Herausforderungen im Kampf gegen den Hunger dar. (Quelle: State of Food Insecurity in the World, FAO 2015)«3

3) Wasser – Globale Wassernot in weniger als 20 Jahren

»Der vierte Umweltbericht der Vereinten Nationen entwirft ein düsteres Szenario: Im Jahr 2025 könnten bereits mehr als 1,8 Milliarden Menschen in Gegenden mit großer Wasserknappheit leben. […]

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler zum Thema Wasser entsprechen den Untersuchungsergebnissen des Weltklimarates, wonach weltweit bis zu 40 Prozent aller Menschen von Veränderungen in der Eis- und Schneespeicherung, Verschiebungen beziehungsweise Verknappungen im Wasserkreislauf sowie durch Trockenheit betroffen sind. Laut GEO-4 könnten im Jahr 2050 bereits mehr als 5,1 Milliarden Menschen in Gegenden mit großer Wasserknappheit leben. […]

Die Ergebnisse des Berichts belegten „eindringlich die Notwendigkeit, dass effektive multilaterale Institutionen geschaffen werden müssen, die in der Lage sind, diese großen Probleme zielstrebig und umfassend anzugehen“, sagte Müller. Die Bundesregierung trete mit mehr als 50 Staaten weltweit dafür ein, die UNEP zu einer „schlagkräftigen“ UN-Umweltorganisation zu machen. Bei Fragen des Klimaschutzes, der Knappheit von Rohstoffen und beim Natur- und Artenschutz müssten dringend Fortschritte erzielt werden.«4

4) Wohnen – Die Lage verschlechtert sich

»Laut UN-Programm Habitat verfügen 1,1 Mrd. Menschen in städtischen Gebieten über keine angemessene Unterkunft; die Zahl der Betroffenen dürfte bis 2025 auf 1,6 Mrd. steigen. Mindestens 100 Mio. Menschen sind praktisch obdachlos. In Europa sind jedes Jahr vier Millionen vorübergehend von Obdachlosigkeit betroffen, in den USA 3,5 Millionen.«5

5) Globalen Arbeitsverhältnisse – Weltweit leben 40 Millionen Menschen in moderner Sklaverei

»Neue Forschungsergebnisse der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO); der Walk Free Stiftung und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben das wahre Ausmaß von moderner Sklaverei weltweit aufgezeigt.

Die neuen Daten wurden zur Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York präsentiert. Demnach waren im Jahr 2016 mehr als 40 Millionen Menschen Opfer von modernen Formen der Sklaverei.

Die ILO hat zudem Schätzungen zur Kinderarbeit veröffentlicht, die bestätigen, dass 152 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und siebzehn Jahren Kinderarbeit leisten.

Die Zahlen zeigen, dass Frauen und Mädchen mit 29 Millionen oder 71 Prozent überproportional häufig von moderner Sklaverei betroffen sind. Frauen sind zudem zu 99 Prozent Opfer von Zwangsarbeit in der kommerziellen Sexindustrie. 84 Prozent erleiden Zwangsheiraten.

Die Forschungen belegen, dass unter den 40 Millionen Opfern der modernen Sklaverei, 25 Millionen in Zwangsarbeit leben. 15 Millionen wurden zwangsverheiratet.

Kinderarbeit konzentriert sich hauptsächlich in der Landwirtschaft (70,9 Prozent). Fast eines von fünf Kinderarbeitern arbeitet für Dienstleister (17,1 Prozent) und 11,9 Prozent sind in der Industrie zu finden.

ILO-Generaldirektor Guy Ryder sagte zur Veröffentlichung der Studien: „Die Botschaft, die die ILO heute zusammen mit ihren Partnern – der Alliance 8.7 – verkündet ist eindeutig: Wenn wir unsere Bemühungen im Kampf gegen diese Geißel der Menschheit nicht grundlegend verstärken, wird die Weltgemeinschaft nicht in der Lage sein, die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Die globalen Schätzungen tragen dazu bei, neue Lösungsvorschläge auf den Weg zu bringen, damit Zwangsarbeit und Menschenhandel der Vergangenheit angehören.“

Andrew Forrest, Vorsitzender und Gründer der Walk Free Stiftung kommentierte: „Die Tatsache, dass sich immer noch 40 Millionen Menschen jeden Tag in moderner Sklaverei befinden, sollte uns die Schamesröte ins Gesicht treiben. Moderne Sklaverei betrifft Kinder, Frauen und Männer weltweit. Dies dokumentiert die tiefgreifende Diskriminierung und Ungleichheit in der Welt, gepaart mit einer schockierenden Toleranz für Ausbeutung. Wir müssen das stoppen. Wir alle können dazu beitragen diese Realität zu ändern – in der Geschäftswelt, Regierung, Zivilgesellschaft und als Einzelner.“ […]

Moderne Sklaverei:

Geschätzt sind 40 Millionen Menschen in moderner Sklaverei gefangen. Frauen und Mädchen sind überproportional betroffen, mit fast 29 Millionen oder 71 Prozent. Eines von vier Opfern der modernen Sklaverei ist ein Kind, insgesamt sind geschätzte 10 Millionen Kinder betroffen. 37 Prozent von den zur Heirat gezwungenen, sind Kinder.

Zwangsarbeit:

2016 befanden sich geschätzte 25 Millionen Menschen in Zwangsarbeit. Von diesen finden sich 16 Millionen Menschen in ausbeuterischer Zwangsarbeit im Privatsektor, beispielsweise als Hausangestellte, auf dem Bau oder in der Landwirtschaft. Geschätzte fünf Millionen Menschen arbeiten in Zwangsverhältnissen der sexuellen Ausbeutung. Mehr als vier Millionen Menschen, oder 16 Prozent, befinden sich in Zwangsarbeitsverhältnissen, die ihnen von staatlichen Strukturen aufgenötigt werden.

Zwangsheirat:

2016 lebten geschätzte 15,4 Millionen Menschen in einer Zwangsheirat. Von diesen fallen 6,5 Millionen Fälle in die letzten fünf Jahre (2012-1016), die verbleibenden Menschen wurden vor dieser Zeit zwangsverheiratet und sind es bis heute. Mehr als ein Drittel aller Opfer von Zwangsheiraten sind Kinder und fast alle Opfer sind Mädchen.

Kinderarbeit:

152 Millionen – 64 Millionen Mädchen und 88 Millionen Jungen – unterliegen der Kinderarbeit. Das entspricht fast eines von zehn Kindern weltweit. Die höchste Zahl von Kinderarbeitern zwischen fünf und 17 Jahren findet sich in Afrika (72,1 Millionen Kinder), gefolgt von Asien und dem Pazifik (62 Millionen Kinder), dem amerikanischen Kontinent (10,7 Millionen Kinder), Europa und Zentralasien (5,5 Millionen Kinder) und den arabischen Staaten (1,2 Millionen Kinder). Geschätzt ein Drittel der Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren, die Kinderarbeit verrichten, gehen nicht zur Schule. 38 Prozent der Kinder in diesem Alter befinden sich in gefährlicher Arbeit und fast zwei Drittel von ihnen im Alter von 15-17 Jahre arbeiten mehr als 43 Stunden in der Woche.«6

6) Schulbildung – Von Chancengerechtigkeit weit entfernt

»Laut Weltbildungsbericht erhalten 264 Millionen Kinder zwischen sechs und 17 Jahren weltweit überhaupt keine Schulbildung. Auch die Abschlussraten derjenigen, die eine Schule besuchen, bleiben demnach gering. Im Grundschulbereich beendeten 83 Prozent der Schüler im Zeitraum 2010 bis 2015 ihre Schule, im unteren Sekundarschulbereich waren es laut UNESCO nur 69 Prozent.

Am schlechtesten steht es dem Bericht unter dem Titel “Verantwortung für Bildung” zufolge um die höhere Schulbildung: Nur 45 Prozent der 15- bis 17-Jährigen schließen demzufolge ihre obere Sekundarschulbildung ab. Insgesamt habe der Anteil derjenigen, die nicht zur Schule gehen, nach einem Rückgang Anfang der 2000er-Jahre zuletzt stagniert, schreiben die Autoren.«7

7) Krankheiten – Weltweit steigt die Lebenserwartung, aber:

»Die weltweite Lebenserwartung ist seit dem Jahr 2000 um fünf Jahre auf 71,4 Jahre gestiegen (Frauen: 73,8 Jahre, Männer: 69,1 Jahre). Wenngleich Afrika bei der Lebenserwartung aufgeholt hat, bleiben erhebliche regionale Unterschiede bestehen: Während eine europäische Frau im Durchschnitt 81 Jahre alt wird (Mann: 75), stirbt eine afrikanische Frau durchschnittlich mit nur 63 Jahren (Mann: 59 Jahre). Das geht aus den World Health Statistics 2016 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.

In Afrika nur zwei Ärzte pro 10.000 Einwohner

“Die gestiegene Lebenserwartung zeigt, dass sich Investitionen in die Gesundheitsversorgung und in medizinische Forschung und Entwicklung auszahlen”, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. “Doch Afrika hinkt bei der Gesundheitsversorgung und der Lebenserwartung weiter hinterher. Obwohl der Kontinent am stärksten durch vermeidbare Krankheiten wie Aids und Malaria betroffen ist, gibt es beispielsweise nur zwei Ärzte pro 10.000 Einwohner! In Europa sind es 16-mal so viele.”

Der WHO-Bericht zeigt eine Vielzahl an Mängeln bezüglich der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern auf. Besondere Herausforderungen bestehen in den Bereichen Mütter- und Kindergesundheit, vernachlässigte Armutskrankheiten sowie bei Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose. “Es wird höchste Zeit, dass auch die Menschen in Entwicklungsländern ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen können. Dazu müssen die Gesundheitssysteme verbessert werden – unter anderem durch qualifiziertes Gesundheitspersonal und durch bezahlbare Gesundheitsdienste.«8

8) Flucht – Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht:

»Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2016 waren 65,6 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 65,3 Millionen Menschen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr hat sich der Anstieg von Flucht und Vertreibung demnach verlangsamt. In jedem der letzten fünf Jahre stieg die globale Gesamtzahl jeweils in Millionenhöhe.«9

9) Kriege – Konfliktbarometer 2017 / Mehr Kriege, aber weniger Konflikte:

»Es gibt zwei Kriege mehr auf der Welt, aber weniger Konflikte. Das ist ein zentrales Ergebnis des Heidelberger Konfliktbarometers. So sei die Zahl der Kriege weltweit von 18 im Jahr 2016 auf 20 im vergangenen Jahr gestiegen. Zugleich hätten sich die Konflikte von 402 auf 385 verringert, teilte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) mit, dass dieses Barometer seit mehr als 25 Jahren veröffentlicht. Mehr als die Hälfte der Konflikte werde allerdings gewaltsam ausgetragen.

Zum Vergleich: Für das Jahr 2013 hatte das Institut einen Höchststand gemeldet und die Zahl der Kriege auf 20 und die der Konflikte auf 414 beziffert. Im Jahr 1998 nannten die Forscher neun Kriege und mit 119 vergleichsweise wenige Konflikte.«10

10) Demokratie – In immer mehr Staaten finden diese Staatsform statt:

»Die Idee der demokratischen Staatsform hat sich weltweit verbreitet und die Zahl der Staaten, die demokratisch regiert werden, erhöhte sich in den letzten Jahrzehnten insgesamt deutlich. Im Jahr 2016 gab es nach Angaben der Nicht-Regierungsorganisation Freedom House 123 Demokratien. Das entsprach rund 63 Prozent aller Staaten weltweit. Die Demokratie ist die dominierende Staatsform in West- und Zentraleuropa (2016: 40 von 42 Staaten), in Nord- und Südamerika (30 von 35 Staaten) sowie in der Region Asien-Pazifik (27 von 39 Staaten). Im subsaharischen Afrika waren lediglich 21 von 49 Staaten demokratisch und von den zwölf Staaten Eurasiens waren im Jahr 2016 lediglich drei Demokratien. Am geringsten ist der Anteil jedoch in der Region Mittlerer Osten und Nordafrika, wo im selben Jahr lediglich zwei der 18 Staaten demokratisch waren.

Verbreitung demokratischer Staaten

In absoluten Zahlen und Anteil an allen Staaten in Prozent, 1989 bis 2016:

Demokratische Staaten Anzahl Anteil an allen Staaten in Prozent
2016 123 63
2015 125 64
2014 125 64
2013 122 63
2012 118 61
2011 117 60
2010 115 59
2009 116 60
2008 119 62
2007 121 63
2006 123 64
2005 123 64
2004 119 62
2003 117 61
2002 121 63
2001 121 63
2000 120 63
1999 120 63
1998 117 61
1997 117 61
1996 118 62
1995 115 60
1994 113 59
1993 108 57
1992 99 53
1991 89 49
1990 76 46
1989 69 41

Quelle: Freedom House: www.freedomhouse.org«11

»Wachsende Verunsicherung in vielen etablierten Demokratien angesichts wirtschaftlicher Probleme und blutiger Konflikte vor Europas Haustür; eine russische Führung, die immer selbstbewusster ihr autoritäres Gegenmodell zur westlich-liberalen Demokratie propagiert; und ein Naher Osten, der wieder stärker Richtung Konflikt und Diktatur kippt. Das ist das politische Umfeld des jüngsten „Democracy Rankings“, das jährlich von Wissenschaftlern rund um Christa Pölzlbauer, David Campbell und Sándor Hasenöhrl erstellt wird.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie, die der „Presse“ vor der offiziellen Veröffentlichung bereits vorliegt: Nach kurzem Aufblühen sind die Knospen des Arabischen Frühlings weitgehend verwelkt – mit der rühmlichen Ausnahme Tunesien. In Staaten wie der Türkei und Russland hat sich ein autoritäres System nachhaltig festgesetzt. Und auch in EU-Ländern oder den USA ist eine positive Demokratieentwicklung keineswegs selbstverständlich. Dafür gibt es etwa in Teilen Afrikas einen Trend zu mehr Demokratie – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus.

In die Wertung des „Democracy Rankings“ fließen mehrere Faktoren ein: Die Daten der Organisation Freedom House zu Bürgerrechten, Pressefreiheit, politischen Rechten und Korruptionsempfinden werden mit Wirtschaftsentwicklung, Wissen, Gesundheit, Geschlechtergleichstellung und Umweltschutz kombiniert. Um festzustellen, ob sich die Lage in den jeweiligen Ländern verbessert oder verschlechtert hat, wurden die Daten der Doppeljahre 2011/2012 mit 2014/2015 verglichen. Bewertet wurden Staaten, die Freedom House als „frei“ und „teilweise frei“ eingestuft hat, sowie ausgewählte „unfreie Staaten“.

  • Europäische Staaten. Ganz oben in der weltweiten Rangliste der am besten funktionierenden Demokratien stehen wie jedes Jahr die skandinavischen Länder und die Schweiz. Norwegen verteidigt erneut Platz eins. Die Schweiz hat sich um einen Rang auf Platz zwei verbessert. Über Zuwächse können sich auch die baltischen Staaten Estland und Lettland freuen. In Ungarn setzt sich der negative Trend fort. Das Land verschlechterte sich weiter von Platz 37 auf 42 – wegen gesunkener Werte bei politischen Rechten, bürgerlichen Freiheiten und Pressefreiheit. Auch Teile Südosteuropas würden „sich wieder eintrüben“, sagt Campbell, der an der Universität Klagenfurt und der Universität für angewandte Kunst Wien tätig ist und die wissenschaftliche Leitung des Projekts innehat. Problemfälle seien dabei Mazedonien sowie Bosnien und Herzegowina, die sich bei den politischen Kriterien verschlechtert haben.
  • Österreich. Vor einigen Jahren schaffte es Österreich im „Democracy Ranking“ noch auf Platz neun. Mittlerweile reicht es nur noch für Platz 13. „Die Entwicklung in anderen Ländern ist dynamischer. Österreich ist überholt worden“, erklärt Campbell. Im Bereich politische Rechte fuhr Österreich ein leichtes Minus ein. Das liegt laut Campbell auch daran, dass Österreich und alle anderen etablierten Demokratien mittlerweile von Freedom House zunehmend kritischer geprüft werden.
  • USA. Zwar sind die jüngsten innenpolitischen Turbulenzen noch nicht in der Studie abgebildet, die mit weiter zurückliegenden Daten arbeitet. Trotzdem ist eine Stagnation in der demokratischen Entwicklung zu erkennen. Rückschritte gab es bei politischen Rechten und bürgerlichen Freiheiten.
  • Russland und China.In beiden Staaten hat die Demokratiequalität weiter abgenommen. Gleichzeitig hat sich in China aber der wirtschaftliche Aufschwung fortgesetzt. Hongkong, das zu China gehört, wurde auch dieses Mal wieder extra gewertet und nimmt mit Rang 29 einen deutlich besseren Platz ein als Gesamtchina (Rang 107). Trotzdem hat sich Hongkong im politischen Bereich verschlechtert – ein Zeichen dafür, dass der politische Druck der chinesischen Zentralregierung auf die Sonderverwaltungszone steigt.
  • Arabische Staaten. „Vor allem Libyen, Ägypten, der Jemen, Bahrain aber auch der Libanon haben Rückschritte gemacht“, sagt Campbell. In Libyen kämpfen verschiedenste bewaffnete Gruppen um die Macht. In Ägypten zieht das Regime immer weiter die Schrauben an. Positive Ausnahme bleibt aber Tunesien. Es hat sich weiter deutlich verbessert und zählt zu den Topaufsteigern.
  • Positiver Trend in Westafrika.Die größten Fortschritte wurden von westafrikanischen Staaten gemacht. „Dort gibt es Zuwächse im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich“, berichtet Campbell. Am meisten konnte sich Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) verbessern – auch wenn das Land insgesamt nach wie vor nur auf Platz 108 liegt. Fortschritte machten auch der Senegal, Togo und Burkina Faso.“12

11) Überbevölkerung – Prognose bis 2100

»Doch bis es soweit ist, wächst die Weltbevölkerung erst einmal noch deutlich an: Im Jahr 2055 leben voraussichtlich schon zehn Milliarden Menschen auf der Welt, bis 2100 werden es 11,2 Milliarden sein. Bei einer halbwegs günstigen Entwicklung der Geburtenrate. Bleibt diese jedoch bei den heutigen 2,5 Kindern pro Frau, müssen 16,6 Milliarden Menschen Platz finden.

Rasantes Bevölkerungswachstum

Verlauf der Bevölkerungszahlen seit 1800

Quelle der Grafik: https://www.br.de/themen/wissen/weltbevoelkerung-bevoelkerungswachstum-menschen-erde-welt-100.html

Der explosionsartige Anstieg der Weltbevölkerung ist erst ein Phänomen der jüngeren Zeit. Denn vor 8.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit, lebten nach Schätzungen des unabhängigen Population Reference Bureaus auf unserem Planeten nur rund fünf Millionen Menschen. Vor 2.000 Jahren waren es rund 300 Millionen. Rasant wurde der Anstieg aber erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts, nachdem die erste Milliarde erreicht war. Zwei Milliarden waren es erst 1927, drei erst 1960 – nach 33 Jahren. Bis zur vierten Milliarden vergingen dann nur noch 14 Jahre (1974). 1987, nur 13 weitere Jahre später, wurde die fünfte, 1999 die sechste Milliardengrenze überschritten. Am 31. Oktober 2011 wurde der siebenmilliardste Mensch geboren, nach nur zwölf weiteren Jahren.

Geburtenrate in Entwicklungsländern deutlich höher

In vielen Ländern ist schon heute die Geburtenrate weitaus niedriger: Eine europäische Frau bekommt im Durchschnitt nur 1,6 Kinder in ihrem Leben, in Deutschland stieg die Geburtenrate 2015 auf 1,5. In den ärmsten Regionen der Welt, etwa in den südlich der Sahara gelegenen Ländern Afrikas, bekommen Frauen im Schnitt fünf Kinder. Nicht nur, weil Kinderreichtum vermeintlich eine Absicherung fürs Alter darstellen könnte, sondern auch, weil Frauen sehr jung zur Ehefrau und Mutter werden.

Junge Mütter

  • Jedes dritte Mädchen in einem Entwicklungsland ist im Alter von 18 Jahren schon verheiratet.
  • Jedes fünfte Mädchen in einem Entwicklungsland ist im Alter von 18 Jahren bereits Mutter.
  • Jeden Tag bekommen 20.000 Mädchen unter 18 ein Kind
  • Zudem kann jede vierte Frau in einem Entwicklungsland nicht verhüten, obwohl sie will, warnt die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Unterdrückung, fehlende Verhütungsmittel oder mangelndes Wissen seien die Ursache für etwa 74 Millionen ungewollte Schwangerschaften pro Jahr.

Jahr 2100: Zehn Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern

Dennoch sinkt auch in Afrika die Geburtenrate, aber viel zögerlicher als bei uns: 1960 lag die Geburtenrate in den Sub-Sahara-Staaten noch bei 6,6 Kindern pro Frau, heute sind es “nur” noch fünf – so viele, wie bei uns Ende des 19. Jahrhunderts. Das führt dazu, dass sich die dortige Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von heute rund einer Milliarden Menschen auf voraussichtlich 2,2 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln wird – mit einem hohen Anteil junger Menschen.

Das bedeutet: Vor allem in den Entwicklungsländern wird die Bevölkerung weiter wachsen. Von den 11,2 Milliarden Menschen, die die Vereinten Nationen für das Jahr 2100 annehmen, werden fast zehn Milliarden in Entwicklungsländern leben.«13

Quellenangaben:

1 https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2018-01-22-82-prozent-weltweiten-vermoegenswachstums-geht-reichste-prozent

2 http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52680/armut

http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik

4 https://www.welt.de/wissenschaft/article1298062/Globale-Wassernot-in-weniger-als-20-Jahren.html

http://www.suedwind-magazin.at/obdachlosigkeit-zahlen-und-fakten

6 http://www.ilo.org/berlin/presseinformationen/WCMS_575502/lang–de/index.htm

https://www.tagesschau.de/ausland/unesco-bildung-101.html

8 https://www.presseportal.de/pm/24571/3330976

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/cdn/trk/lp/v01/

10 http://www.dw.com/de/konfliktbarometer-2017-mehr-kriege-aber-weniger-konflikte/a-42768089

11 http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52838/demokratie

12 https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5170935/Die-globale-DemokratieRangliste

13 https://www.br.de/themen/wissen/weltbevoelkerung-bevoelkerungswachstum-menschen-erde-welt-100.html